DIE ZEIT

Eine Welt oder keine Welt?

Seit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan ist die Versuchung groß, die internationale Politik wieder ausschließlich unter dem Aspekt des Ost-West-Konflikts zu sehen.

Schmidts Besorgnis

Der Zufall ist schon einigermaßen bemerkenswert: Gerade als in Bonn bekannt wurde, daß Bundeskanzler Schmidt dem sowjetischen Staats- und Parteichef Breschnjew einen Brief geschickt hatte, beschrieb Außenminister Genscher den Platz der Bundesrepublik in der internationalen Politik so: "An der Seite der Vereinigten Staaten und nicht zwischen den beiden Supermächten.

Es brennt auf dem Olymp

Die Olympischen Winterspiele in Lake Placid haben begonnen. Für viele ist dies der Anfang vom Ende. Festmarsch und Feuerzauber, zur Ouvertüre planmäßig zelebriert, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß dem Ereignis ein funebrer Hauch anhaftet: Die Olympioniken schleichen umher mit Leichenbittermiene.

Zeitspiegel

Einen besonderen Kommentar zum deutschfranzösischen Gipfel in der vergangenen Woche lieferte Chefredakteur Jean Boissonnat in der jüngsten Nummer des Wirtschaftsmagazins L’Expansion.

Drei Schritte vor, zwei zurück?

Drei Schritte vor, zwei zurück – ist das der neue Rhythmus der deutsch-französischen Kooperation? Als Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing und Bundeskanzler Helmut Schmidt vergangene Woche am Ende der 35.

Wolfgang Ebert: Der Nächste bitte...

3. Bittsteller: Karibische Inselrepublik. Arm aber zufrieden, vor allem mit der Lieferung von 30 Mercedes Luxuslimousinen. Brauchen nichts, bis auf ein bißchen Napalm zum Schutz gegen ein paar aufgehetzte Indios und Bauern.

Karlsruhe zur Kernenergie: Bürgerrechte und Behördenmacht

Darf eine Behörde, die in einem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren ein Atomkraftwerk genehmigt, nach Abschluß dieses Verfahrens die Abänderung der Baupläne erlauben und den "sofortigen Vollzug" anordnen? Hat eine Klage, die sich gegen die Abänderung richtet, aufschiebende Wirkung, oder weniger juristisch: Müssen in diesem Fall die Bauarbeiten eingestellt werden, bis die zuständigen Gerichte rechtskräftig entschieden haben? Um diese Frage, um die Macht der Behörden und die Rechte des einzelnen Bürgers, ging es in einer Verfassungsbeschwerde, die jetzt vom Bundesverfassungsgericht zurückgewiesen wurde: Kein Baustopp in diesem Fall, sondern Verweis auf den ordentlichen Instanzenweg.

NDR-Vertrag: Staatsrundfunk durch die Hintertür

Wer den Staatsvertrag über die Gründung eines neuen Norddeutschen Rundfunks zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein sorgsam gelesen hat, muß seinen Verfassern in den Kanzleien von Hannover und Kiel Anerkennung zollen: Sie haben die politischen Vorstellungen ihrer Chefs Ernst Albrecht und Gerhard Stoltenberg meisterhaft in Form gebracht.

Die Bürokraten des Bösen

Dieses Bild hat sich in die Erinnerung eingegraben: Hinter einer brusthohen Barriere sitzen drei Männer, hocken eher, geduckt, zusammengefallen, mit gesenkten Köpfen, als erwarteten sie jeden Augenblick Schläge.

Heimniederlage Kennedys

US-Präsident Jimmy Carter hat einen neuen Sieg über seinen Herausforderer Edward Kennedy erzielt. Bei einer Delegierten-Vorwahl im Bundesstaat Maine erhielt Carter 46 Prozent der Stimmen, auf Kennedy entfielen 40 Prozent.

Frühlingshauch in Korea

Auf der Waffenstillstandslinie von Panmunjom haben Gespräche zwischen Nord- und Süd-Korea begonnen. Ziel: Zum ersten Mal in der Geschichte des seit 35 Jahren geteilten Landes sollen beide Ministerpräsidenten über die Wiedervereinigung verhandeln.

BONNER BÜHNE: Mit Molle und Maß gegen die Eurokraten

Wenn die deutsch-deutschen Verhandlungen die afghanische Krise weiter ohne Schaden überstehen, geht es dann auch wieder bei der Auslösung von Häftlingen voran? Seit die DDR im letzten Spätherbst mit ihrer zweiten großen Amnestie begann, herrscht in dieser diskretesten innerdeutschen Angelegenheit Stillstand, auch nach dem Abschluß der Amnestie Mitte Dezember.

Neue Töne

In einem Interview mit der Pariser Zeitung Le Monde hat der iranische Ministerpräsident Bani-Sadr zu Beginn der Woche erklärt, die Geiseln könnten "innerhalb der kürzestmöglichen Zeit, vielleicht schon in den kommenden Tagen" ihre Freiheit wiederhaben.

Mittelamerika:Diktaturen unter Druck

Seit dem Umsturz in Nicaragua im Juli vergangenen Jahres war es das Bestreben aller Offiziere, die in den drei nördlichen Nachbarländern regieren, von dem "sandinistischen Bazillus" nicht infiziert zu werden.

Kabul: Signale und Schüsse

Über die Vorgänge in Afghanistan, die Ende Dezember zum sowjetischen Einmarsch und zum Tod des Staats- und Parteichefs Amin führten, gibt es jetzt eine neue Version.

"Was wollt ihr, was gebt ihr?"

Hier der "Norden", die Industrieländer, verschanzt in allen internationalen Konferenzen gegen die Wünsche nach einer neuen Weltwirtschaftsordnung, da der "Süden", die Entwicklungsländer, die den fruchtlosen Dialog endgültig satt haben und Tacheles reden wollten in den UN – in dieser Stimmung nahm die Nord-Süd-Kommission Willy Brandts im Dezember 1977 ihre Arbeit auf.

Deutsch-deutscher Streit: Marode S-Bahn

Die DDR hat ein hübsches trojanisches Pferd in West-Berlin, aber es ist morsch und teuer. Nun soll der Berliner Senat zu dessen Unterhalt beitragen: Der Präsident der Reichsbahndirektion Berlin, Grohs, verlangte in einem Interview mit der Reichsbahnerzeitung Fahrt frei vom Senat, "Maßnahmen zur Finanzierung des S-Bahn-Verkehrs vorzuschlagen".

Hochsicherheitstrakt Moabit: Kein "Vollzugsmodell"

In der ZEIT Nr. 6 ("Isoliert wie in einem Aquarium" hatte Professor Ulrich Klug, einst FDP-Justizsenator in Hamburg, heute Vorsitzender der Humanistischen Union, seinen Parteifreund, den Berliner Justizsenator Moritz Meyer, heftig kritisiert.

Alle Wahl-Jahre wieder

Wer noch nicht wußte, daß in diesem Jahr wichtige Landtagswahlen und vor allem auch die Bundestagswahl bevorstehen, für den gab es jetzt ein untrügliches Zeichen: Die Regierungsparteien haben ein Konzept zur Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital vorgelegt.

Ein ungeliebter Bastard

An Warnungen hat es nicht gefehlt: Die Entscheidung komme zum falschen Zeitpunkt, werde zu teuer und sei auf alle Fälle nicht gut genug.

Europäische Gemeinschaft: Ultimatum aus Brüssel

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaft (EG) hat die Agrarminister vor die Wahl gestellt: Entweder sind die Minister bereit, der verhängnisvollen Überschußproduktion, vor allem bei Milch, jetzt einen Riegel vorzuschieben, oder es gibt keine Basis für die zum 1.

Goldmarkt: Verführung des kleinen Mannes

Ausgerechnet jetzt hat die Dresdner Bank den Kauf von Gold leichter gemacht. Sie hat mit eigenen Fünf- und Zehn-Gramm-Barren ihr Angebot erweitert und damit "eine Marktlücke geschlossen", wie Hans-Joachim Schreiber, das für das Geldgeschäft zuständige Vorstandsmitglied, ungerührt erläuterte.

BONNER KULISSE

Zu einem Hauskrach unter den Verbänden der Wirtschaft führte die Prognose des Deutschen Industrie- und Handelstags (DIHT) über die künftige Wirtschaftsentwicklung.

Börsen-Report: Zittern um die Aktien

Werden sich die deutschen Aktien genauso von der Zinsentwicklung lösen wie in den USA? Oder läuten die sinkenden Kurse der festverzinslichen Papiere das Ende der kurzen, aber kräftigen Erholungsphase am Aktienmarkt ein? Um die Wochenmitte war der deutsche Aktienmarkt in eine Zitterphase eingetreten, von der jedoch noch nicht zu erkennen war, ob sie eine Trendwende oder nur eine Reaktion auf die vorangegangenen Kurssteigerungen darstellt.

Erst rechnen, dann reden

Ist die "soziale Komponente" in Wirklichkeit unsozial? Die Rede ist von Lohnverhandlungen, bei denen die Gewerkschaften – wie jetzt bei den Verhandlungen in der Metallindustrie – den unteren Lohngruppen mehr zukommen lassen wollen als den oberen.

Tarifstrategien

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit denen die Gewerkschaften ihr Ziel erreichen können. Grundsätzlich wird bei Tarifverhandlungen eine prozentuale Anhebung des sogenannten Ecklohnes für Facharbeiter vereinbart; in der Metallindustrie von Nordrhein-Westfalen ist das die Lohngruppe 7.

Daimler-Benz: Mercedes auf Abruf?

Der vielgeplagte Mercedes-Fan will seinen Augen nicht trauen: "Neuwagen! Zum sofortigen Mitnehmen" prangt da im Schaufenster des Gebrauchtwagenhändlers "Autohaus am Steindamm" in Hamburg auf einem Modell der neuen S-Klasse.

Magere Ernte für die Bauern?

Die Landwirte werden im laufenden Wirtschaftsjahr Einkommenseinbußen um bis zu vier Prozent hinnehmen müssen – die Energieverteuerung sowie andere Kostensteigerungen schlagen zu Buche.

MANAGER UND MÄRKTE

Siemens: Interesse an Grundig Heizung: Nicht mit Öl allein... Hausgeräte: Kartell in Frankreich

Nicht aus dem Stand

Raether: An den Kapazitäten fehlt es nicht, die können von der Industrie bereitgestellt werden. Um nur ein Beispiel aus unserem Unternehmen zu nennen: Unsere Kapazitäten sind nur zu etwa einem Viertel durch vorhandene Aufträge ausgelastet.

Nun braucht der Bankkunde einen Computer

Am 1. April 1980 führt die Dresdner Bank ein neues Gebührensystem für private Girokonten ein. Kernstück der Neuregelung ist eine Gebührenstaffel, die die Einheitsgebühr für jeden Buchungsposten ablöst, die bei deutschen Kreditinstituten sonst üblich ist.

ZEITRAFFER

Erstmals seit Januar 1979 hat die Zahl der Arbeitslosen diesen Januar die Millionengrenze wieder überschritten. Josef Stingl, der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, sieht darin – allerdings "keine ausgesprochene Verschlechterung" der allgemeinen Konjunkturlage.

Kino sucht Wirklichkeit

Brasilianische Lkw-Fahrer und militante Homosexuelle in New York, zwei Münchner Fußballprofis und europäische Heilssucher in einem indischen Meditationszentrum, ein Berliner Glücksspieler und ein bayerischer Kanzlerkandidat: eine buntere Assemblage von Leuten und Lokalitäten erscheint kaum vorstellbar, aber dennoch haben die Herrschaften miteinander zu tun.

Die neue Schallplatte

Pfeil Young & Crazy Horse: "Live Rust". Neil Young ist ein Enigma in der amerikanischen Rockmusik, unberechenbarer noch als Bob Dylan in seiner künstlerischen Entwicklung und ein Seismograph von Zeitstimmungen, die er seit fünfzehn Jahren in seinen Songs reflektiert, in poetischen Bildern verschlüsselt kommentiert.

Eröffnung des Museums für Gegenwartskunst in Basel: das Geschenk der alten Dame

Hoch klingt das Lied vom kunstfreudigen Bürger von Basel, seit im Jahre 1967 zwei Bilder von Picasso, die als Depositum einer Familienstiftung schon viele Jahre im Kunstmuseum hingen, von den Erben des Stiftergründers verkauft werden sollten und mußten und die Basler Bürger die Summe von 8,4 Millionen Franken teils selber sammelten, teils per Volksabstimmung den Rat der Stadt zu einer den Rest deckenden Kreditaufnahme ermächtigten, Als "Depositum der Einwohnergemeinde des Kantons Basel-Stadt" blieben "Les deux frères" von 1905 und der "Arlequin assis" von 1923 dem Museum erhalten.

Lobpreis mit Schluckauf

Das ist der Anfang vom Ende: Da schleppen sich Mann und Frau, zu einem dreibeinigen Monster miteinander verklebt, verschmort, in der Katastrophe ineinander geschmolzen, über die Bühne, in Lumpen und mit halbnackten Beinen, die Atemmasken noch vor dem Gesicht.

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