Grundig, Marktführer der deutschen Unterhaltungselektronik-Branche, wird möglicherweise bald einen zweiten potenten Kapital-Partner bekommen. Nachdem sich erst im Herbst vergangenen Jahres der niederländische Philips-Konzern einen knappen 25-Prozent-Einfluß sicherte, soll sich jetzt Siemens, das größte deutsche Elektro-Unternehmen, für eine etwa zehnprozentige Beteiligung an Grundig interessieren. Wahrscheinliches Motiv der Siemens-Manager: Sicherung des Absatzes von Bauelementen an den großen Kunden Grundig.

Was das Kartellamt zu einem solchen Schritt sagen würde, hängt entscheidend von eventuellen Absprachen zwischen Siemens und Philips ab, die bereits in anderen Bereichen eng Zusammenarbeit ten, so beispielsweise mit der gemeinsamen Töchter Polygram im Schallplattengeschäft. Realität ist der Dreierbund Siemens-Philips-Grundig schon im schnell expandierenden Videorecorder-Geschäft, erklärtermaßen als europäische Abwehrkette gegen die hier dominierenden Japaner. Gerade entschied sich nämlich Siemens, den Vertrieb von Grundig-Geräten des Typs Video 2000 aufzunehmen. Dieser Videorecorder aber ist im wesentlichen von Grundig-Anteilseigner Philips entwickelt worden.

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Wer eine Zentralheizung neu installiert oder eine alte Anlage ersetzt, der geht in aller Regel auf Nummer sicher. Mehr als drei Viertel der jetzt gelieferten Heizungskessel könnten außer mit Öl oder Gas auch mit Festbrennstoffen betrieben werden. Das hat die Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft ermittelt. Gegen einen Aufpreis von gut tausend Mark kaufen die Bauherrn mit zwei Brennkammern ausgerüstete Kessel, in denen neben Öl oder Gas auch Kohle, Holz oder Torf verbrannt werden können. Genutzt wird diese zweite Kammer allerdings kaum. Sie dient nur, so Friedrich-Karl Läge, Geschäftsführer der Vereinigung, dem Sicherheitsbedürfnis der Verbraucher.

Denn lohnend ist der Einsatz von Koks in Einfamilienhäusern trotz der Ölpreisexplosion immer noch nicht. In weiten Teilen der Bundesrepublik ist Koks frei Haus nach wie vor teurer als Heizöl. Und selbst im Ruhrgebiet, wo der Koks billiger ist, will niemand für ein paar hundert Mark im Jahr den täglichen Gang in den Keller tun.

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Karl Schiller tritt zum Islam über – die Nachricht ist genauso falsch wie die Behauptung nach seinem Rücktritt als Bundeswirtschafts- und Finanzminister im Jahre 1972, er sei der CDU beigetreten. Was allerdings stimmt, ist seine Entscheidung, das Angebot der Regierung von Pakistan zu prüfen, gegen Entgelt seinen wirtschaftlichen Rat zu nutzen. Schiller kam durch die Vermittlung des pakistanischen Botschafters in Saudi-Arabien zu dem neuen Angebot. In Riad hatte sich herumgesprochen, daß sein Gutachten mit dem Konzept einer Antiinflationspolitik für das größte Opec-Land eine ausgezeichnete Arbeit war.

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Wie oft hat man nicht den-Franzosen erzählt, die Bundesrepublik sei das Land des Wettbewerbs, in dem ausschließlich Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Ein Strafverfahren gegen siebzehn große Unternehmen der Haushaltsgerätebranche hat jetzt gezeigt, daß es zumindest einige französische Niederlassungen deutscher Unternehmen mit diesem vielgerühmten Grundsatz nicht sehr genau nehmen. Die Pariser Wettbewerbs-Kommission, eine Art Kartellbehörde, hatte entdeckt, daß die Produzenten mit Argusaugen darüber wachten, daß ihre Erzeugnisse nicht unter einem bestimmten Preis verkauft wurden. Im Bericht der Kommission heißt es zum Beispiel: „Ein Dokument, das bei einem Einzelhändler gefunden wurde, wies den Preis der verschiedenen Apparate aus dem Hause Miele mit dem Vermerk aus: Unter Drohung von Monsieur Hovot, dem damaligen Repräsentanten des Produzenten, aufgezwungen.“ Da solche Absprachen gesetzeswidrig sind, verhängte Wirtschaftsminister René Monory jetzt Geldstrafen von insgesamt 8,5 Millionen Franc. Miele wurde mit 250 000 Franc zur Ader gelassen, Grundig und AEG-Telefunken kamen mit einer Verwarnung davon.

Daß wir „keine Senffabrik, sondern ein Medienunternehmen“ sind, wollte Europas größter Medienkonzern, die Gütersloher Bertelsmann AG, beweisen. Zum Anlaß nahmen die Berteismänner den Besuch des Bundeskanzlers Helmut Schmidt am 7. Februar. Der von Konzernbetriebsrat und Vorstand des Unternehmens geladene Gast hatte am vergangenen Donnerstagnachmittag vor, rund 3000 Mitarbeitern und geladenen Gästen „aus der Werkstatt der Regierung zu einigen Themen“ gesprochen.

„Am Freitag darauf“, so Unternehmenssprecher Gert Schukies voller Stolz, konnte an Journalisten und die Mitarbeiter, die an Vorbereitung und Verlauf der Veranstaltung mitgewirkt hatten, das „Dokument“ der Veranstaltung verschickt werden: Eine Schallplattenkassette mit zwei Langspielplatten, die die Reden des Konzernbetriebsrates Martin Wolf, des Vorstandsvorsitzenden Reinhard Mohn, die Kanzler-Rede sowie Ausschnitte der abschließenden Diskussion enthalten. Der Kanzler, der das schnelle Bertelsmann-Produkt (Auflage: 1000 Stück) ebenfalls am Tag nach der Veranstaltung überreicht bekam, habe sich – so wird berichtet – gefreut.

Gunhild Freese