Von Wolfgang Ebert

Am Anfang war das Paar. Aber der erste prominente Junggeselle des christlichen Abendlandes war immerhin Jesus. Hölderlin, Nietzsche, aber auch Kant, Schopenhauer, Ravel, Proust, Kafka, der gegenwärtige Gouverneur von Kalifornien, die Chefs von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, alles Junggesellen. Hölderlin und Nietzsche – auch Robert Walser – fielen der geistigen Umnachtung anheim, was immer das damit zu tun haben mag.

Der große Volksverführer unserer Geschichte, Adolf Hitler, gab sich bis zuletzt als Junggeselle aus und starb, die soeben Angetraute mit sich nehmend, von eigener Hand. Eine Ehe, so glaubte er, würden ihm die Millionen deutscher Frauen nicht verzeihen. Erreichbar sollte er bleiben, wenn auch in unendlicher Ferne. Ein einsamer Staatsmann schafft göttergleiche Distanz.

Einsamkeit – das ist das Leitmotiv des Junggesellen, Einsamkeit und dazu ein Hauch von verruchter Libertinage. Ein Freiheitsheld in Miniausführung. Was er wohl mit dieser Freiheit anfängt, überlegen sich die verheirateten Männer bisweilen leicht verstört, und sie entwickeln dabei eine wilde Phantasie.

Das Pendant zum Junggesellen (männlich) ist der Ehemann. Nur von der Ehe her kann der Junggeselle definiert werden. Aber das Kennwort „ledig“ trifft den Sachverhalt nur ungenau. Junggesellen-Sein ist eine Lebenshaltung.

Der „Normalfall“ ist die sogenannte gutbürgerliche Ehe mit entsprechender Kinderzahl. Vom Normalfall weicht das Verhalten des Junggesellen, der sich, freiwillig oder unfreiwillig – die Gründe sind meist komplex und nicht mehr nur auf enge Mutterbindung oder schnöde Zurückweisung zu reduzieren – für die Ehelosigkeit entschieden hat, deutlich ab. Manche, vom Joch der eigenen Ehe niedergedrückt, halten das für unsozial und pflichtvergessen. Dabei denken sie in der Regel an den ausbleibenden Nachwuchs, also bevölkerungspolitisch.

Für die Institution Ehe ist, war, die bloße Existenz des Junggesellen jedenfalls eine Provokation. Wo die Ehe der Normalfall ist, stellt er, der Außenseiter, sie in Frage. Darum wird ihm so gern nachgesagt, er vernachlässige sich, sehe verhärmt aus, schlecht genährt, abgegriffen, verlebt. Da fehlt eine weibliche Hand, behaupten just jene Ehefrauen, die für den eigenen Mann keine rühren. Als die Ausnahme von der Regel gilt er in puritanisch orientierten Gebieten, vor allem jenseits des Atlantiks, sogar als etwas abartig. Kinder läßt man mit ihm nicht allein. Man kann nie wissen.