ZEIT: Die Olympischen Winterspiele sind vorbei. Würden Sie an Stelle der Bundesregierung jetzt sofort den Boykott der Sommerspiele verkünden? Würden Sie also hier und heute sagen, wir gehen aus Solidarität mit den Amerikanern nicht nach Moskau?

STRAUSS: Nicht allein aus Solidarität mit den USA, sondern aus Überzeugung. Wie die Olympischen Spiele 1936 psychologisch einen Durchbruch für Hitler in der Welt bedeutet haben, so wären jetzt Olympische Spiele 1980 in Moskau trotz der Invasion in Afghanistan ein großer psychologischer und moralischer Sieg der Sowjetunion. Wenn die Amerikaner sagen, da gehen wir nicht hin, dann können wir es uns gar nicht leisten hinzugehen.

ZEIT: Sie würden dies schon heute verkünden und nicht erst im Mai...

STRAUSS: Am 24. Mai, wenn die Weichen längst gestellt sind, ist unser Mitlaufen politisch bedeutungslos geworden. Helmut Schmidt, der den Sowjets großzügig bis Mai eine Chance zur Besserung gewähren will, zeigt sich hier ebenso naiv wie realitätsfern. Die Sowjets sind vermutlich doch nicht nur in Afghanistan einmarschiert, weil sie Schmidts mahnenden Zeigefinger vorübergehend vergessen hatten.

ZEIT: Also jetzt den Boykott verkünden, ohne auf einen möglichen Sinneswandel der Amerikaner Rücksicht zu nehmen?

STRAUSS: Entweder halten wir auf Grund der gleichen Denkansätze und der gleichen Bewertung der politischen Lage einen Boykott, zum Beispiel der Olympischen Spiele, für notwendig, dann sollen wir dies tun. Und uns nicht hinter der „Solidarität mit Amerika“ verstecken. Ich bin aus Überzeugung für den Boykott...

ZEIT: Sind Sie sicher, daß Carter vielleicht nicht doch noch seine Meinung ändert?