DIE ZEIT

Bonner Staubwolke

Sticht Willy Brandt der Hafer? Lange, ja fast durchweg hat er sich auf eine eher stumme Rolle als SPD-Vorsitzender im Schatten des Kanzlers beschränkt.

Rückkehr zur Realität

Wessen Zahlen er denn da benutze, so lautete die boshafte Frage Herbert Wehners an den stellvertretenden SPD-Vorsitzenden, Bundeskanzler Helmut Schmidt; eigene oder die der CDU/CSU? Der Fraktionsvorsitzende tadelte damit Schmidts durch Zahlen fundierte Bedenken gegen die Finanzierbarkeit der Rentenreform-Vorschläge, die eine von Herbert Wehner geleitete Kommission erarbeitet hatte.

Der Staat als Trainer?

Wenn man vom Olymp kommt, ist man klüger. So kann es nicht verwundern, daß einige Mitglieder des Bundestags-Sportausschusses nach ihrer Rückkehr aus Lake Placid auffällig kluge Sprüche machten.

Des Kanzlers schwierige Mission

Die Russen haben in ein Wespennest gestochen, sie haben sich in Afghanistan gründlich getäuscht. Die Kämpfe in Kabul und im Landesinneren zeugen von einem unbeugsamen Widerstand gegen das von Moskau aufgezwungene Regime Karmal.

Worte der Woche

"Selbst wenn wir die moralischen Überlegungen nicht außer acht lassen wollen, bestimmt die Moral nicht die Zukunft dieser Welt, sondern die Macht bestimmt sie.

Zeitspiegel

In der Nähe des Hauptpostamtes von Kabul bekam ein sowjetischer Soldat seinen Jeep nicht in Gang. Teilnahmslos sah ihm eine Gruppe afghanischer Zivilisten zu.

Keine Saison für die Teppichhändler

Auf der Ferdosi-Straße schließt der Teppichhändler hinter dem Kunden ab. Die Geschäfte gehen schlecht, Nur noch alle zwanzig Tage, so sagt er, verkauft er einen Teppich.

Bis hierher und nicht weiter

Seit die Sowjets in Afghanistan eingefallen sind, ist ein uralter Streit zwischen den Kreml-Forschern wieder aufgeflammt....

China: Späte Ehrenrettung für Maos Rivalen

Was ist ein Revisionist? Im Sinne der marxistisch-leninistischen Tradition jemand, der das Parteidogma den Verhältnissen anpaßt, die Theorie an Hand der Praxis kritisch prüft, "die Wahrheit in den Tatsachen sucht", um ein heute in China beliebtes Mao-Wort zu zitieren.

Französische Kommunisten: Flucht nach vorn

Wie schaffen es die französischen Kommunisten nur, ein so kurzes Gedächtnis zu haben? Vor ein paar Jahren protestierte die Pariser Parteizentrale laut und deutlich gegen russische Gulags, gegen den offiziell von Moskau praktizierten Antisemitismus und gegen die Einweisung von Intellektuellen in Heilanstalten.

Wolf gang Ebert: Paris? Yes! - Carter? Oui!

"Oder yes – das ist sein Dilemma. Darum sagt er lieber gar nichts", sagte Frau Jensen, "hier steht schwarz auf weiß: ‚Der Kanzler nennt Paris und Washington in einem Atemzug, weil Bonn die Balance zwischen Paris und den USA halten will.

Hebamme für ein neues Bewußtsein

Eigentlich ist es ihm nicht recht, als "Landesvorsitzender" über die Aussichten und den Wahlkampf der "Grünen" in Baden-Württemberg zu sprechen.

Hamburg: Punktsieg für Klose

Kämpfen kann Hamburgs Bürgermeister Hans-Ulrich Klose noch immer. "Man darf diesen Hund einfach nicht von der Kette lassen", murmelte ein Delegierter des außerordentlichen Parteitages der Hamburger SPD am vergangenen Freitag um 21.

Terroristenprozeß: Maßvolles Urteil

Das Urteil im Prozeß gegen die einstige Terroristin Astrid Proll – fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe wegen schweren Raubes – ist ein Ausdruck maßvoller Gerechtigkeit.

Ein Schrei nach Freiheit

Antisowjetische Demonstrationen und blutige Unruhen in Kabul haben das sowjetische Expeditionskorps in Afghanistan in eine prekäre Lage gebracht.

BONNER BÜHNE: Später Katzenjammer

Die Olympischen Winterspiele sind vorüber, aber der bundesdeutsche Katzenjammer bleibt und nimmt noch zu, auch unter den Politikern.

Kann Carter noch helfen?

Der seit Wochen von Unruhen, Kämpfen, Geiselnahmen geschüttelte mittelamerikanische Zwergstaat erwartet jeden Tag einen Militärputsch.

Suche nach den Hintertüren

Eine unzweideutige Parteilinie der italienischen Democrazia Cristiana (DC) ist auch nach dem Parteikongreß nicht zu erkennen.

"Ich kann eiskalt austeilen"

ZEIT: Die Olympischen Winterspiele sind vorbei...........................................................................

Bildungspolitik: "Schaff die ZVS ab!"

Eine frohe Botschaft erwarten viele tausend Studenten jedes Semester aus Dortmund: Sie hoffen, daß die dortige Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) ihnen einen freien Platz an einer Hochschule zuweist.

Fehlplanung: Teure Frührentner

Kommunalpolitiker, die heute noch Stadthallen bauen, sollte man darin einsperren und einmauern." Das Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff zugeschriebene Zitat gehört seit Jahren zum festen Sprachschatz des CDU-Kreisverbandes Ennepe-Ruhr.

Konfirmandenunterricht: Lasset nicht singen

Eutin, ein Ort von 18 000 Einwohnern in Schleswig-Holstein, hat sein Skandälchen. Mehr als 20 Jahre alte Freundschaften sind zu Bruch gegangen, Grußbekanntschaften wurden aufgekündigt, und Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg hat in der Angelegenheit an Bischof Stoll einen Brief geschrieben, dessen Inhalt von Leuten, die es wissen wollen, als "massiv" bezeichnet wird, zumal der erzürnte Politiker an den Staatskirchenvertrag erinnert hat.

Presserecht: Beleidigende Anzeige

Von der kleinen Korruptionalie bis zur mehr oder weniger beiläufigen Pression gehören alle Spielarten der Einflußnahme zum leidvollen Alltag eines Lokalredakteurs.

Bundesrepublik: Die Jahre danach

hat er viel Material gesammelt und Unbekanntes entdeckt. Wer deutsche Nachkriegsgeschichte lernen will, kann es hier. Den bekannten Klischees freilich fügt Engelmann kein neues hinzu.

China: Peking im Poker

Spätestens seit China Anfang der siebziger Jahre durch den Abbau seiner Konfrontation mit den Vereinigten Staaten Nervosität im Kreml auslöste, geistert der Begriff von der "chinesischen Karte" durch die politische Diskussion.

Der Mensch als zweiter Sieger

Vor nicht allzulanger Zeit hätte man die Szene noch für ein Stück aus einem olympischen Science-fiction-Film gehalten; und für Avery Brundage selig, den eisernen Kämpfer fürs Amateurprinzip, wäre es wohl ein Horrorfilm gewesen.

Warum ist der Riese so stark?

Wenn Bundeskanzler Helmut Schmidt Anfang März zu seinem siebten Besuch als deutscher Regierungschef in den Vereinigten Staaten eintrifft, dann müßte er in Washington als Vertreter einer Großmacht empfangen werden – wenn das amerikanische Wirtschaftsmagazin Business Week recht hat mit der Beurteilung der Rolle, die die Bundesrepublik heute in der Welt spielt.

Die eiserne Lady setzt Rost an

In den eigenen Reihen mehren sich Kritik und Zweifel an der Politik der konservativen Regierung und der Regierungskunst von Premierministerin Margaret Thatcher.

Italiens Kommunisten: Hüftschwung

Fiat soll finanzielle Hilfe vom Staat bekommen. Das fordert die Kommunistische Partei Italiens. Ein Jahrzehnt lang hatte sie über die von ihr beherrschte Hauptgewerkschaft erreicht, daß bei Fiat jedes Jahr die Produktion von 100 000 bis 300 000 Autos ausfiel.

Europäische Gemeinschaft: Kabul-Effekt

Die Russen haben es ermöglicht. Wären sie nicht in Afghanistan einmarschiert, hätte der Abschluß der Verhandlungen zwischen der Europäischen Gemeinschaft (EG) und Jugoslawien noch länger auf sich warten lassen.

Finanzämter: Ressort-Denken

Bei seinem Marsch durch die Institutionen hat der Computer nun auch die Finanzämter erreicht. In der Praxis aber tut sich das Personal damit noch schwer.

Körting: Der rote Manager will Profite sehen

Seine Position ist ungewöhnlich, ja von exotischem Reiz. Oskar Pistor, Sproß eines alten Adelsgeschlechts vom Balkan, ist der erste Parteibuchkommunist, der in der Bundesrepublik einem durch und durch kapitalistischen Unternehmenvorsteht.

Berlin: Nun kreiselt es doch

Zum ersten Rammschlag im Mai 1969 kam der damalige Verkehrsminister Georg Leber. Beim Richtfest im September 1972 nannte Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Klaus Schütz die Kritik am Mammutbau "nichts anderes als hämische, neidische und unsachliche Nörgeleien".

Hamburger Morgenpost: Rettende Rechnung im Sand

Die Redaktion steht, Anschlußdruckereien sind gefunden: Kommenden Sonnabend, am 1. März, wird die alte Hamburger Morgenpost zum ersten Mal im neuen Verlag erscheinen – zumindest die Hamburger Ausgabe des Blattes, das bislang noch mit eigenen Lokalausgaben in Kiel und Bremen erscheint.

Deutsche Börsen: Substanz kontra Rendite

In den deutschen Börsensälen herrscht Hochspannung. Banken und Makler, die lange Zeit über leere Auftragsbücher geklagt hatten, haben jetzt Mühe, die Umsatzflut zu bewältigen.

Image eines Verlierers

Schmuckli: Ich stehe zu meiner Aussage vor einem Jahr: "Wenn eine Branche nach Hilfe ruft, ist es meist schon zu spät." Die Hilferufe des Fachverbandes der Unterhaltungselektronik im Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) vermitteln den Eindruck, daß es für die Branche fünf vor zwölf ist.

Die Abgabenlast

Nicht jeder, der über ein hohes Bruttoeinkommen verfügt, hat auch sofort etwas davon: Steuern, und Sozialversicherungsbeiträge schmälern den Lohn.

ZEITRAFFER

Pendelt sich die Zahl der Arbeitslosen bei einer Million ein? Diese Zahl dürfte jedenfalls im Februar registriert worden sein, nachdem im Januar 1036 000 Arbeitslose ermittelt wurden.

Die DGB-Kampagne gegen die Aussperrung hat die Politik der Gewerkschaften wieder in den Mittelpunkt der Interessen gerückt. Welche Ziele will die Arbeitnehmer Organisation in den achtziger Jahren verfolgen?: Weniger Gesetze, mehr Verträge

Die Antwort auf die Frage nach den Prioritäten am Ende eines langen Gesprächs mag überraschen: "Es drängt mich, daß die Schulreform, die Bildungsreform als erstes in ein ruhigeres, stetiges Wasser gerät, weil wir dort am meisten kaputtmachen können.

Investitionsbeihilfe: Tricks mit Schecks und Wechseln

Rechtsanwalt Oxfort, früher Justizsenator in Berlin, erregte sich über die Qualität der Berliner Justiz. Es sei unerträglich, daß Finanzgerichte und Strafrichter den gleichen Tatbestand unterschiedlich bewerten, meinte er.

Mineralölkonzerne: Mit gläsernen Taschen

Seit der Ölkrise 1973 stellt die deutsche Mineralölindustrie dem Bundeswirtschaftsministerium interne Daten aus dem Unternehmen zur Beurteilung der Kosten- und Ertragslage zur Verfügung.

+ Weitere Artikel anzeigen