Von Karl-Heinz Janßen
Auch Historiker, selbst die angesehensten, können auf den Holzweg geraten: Seit beinahe dreißig Jahren, genau seit der Erstauflage von "Hitlers Tischgesprächen im Führerhauptquartier 1941–1942" im Jahre 1951 wähnte sich die deutsche Geschichtswissenschaft im Besitz originärer Äußerungen, geheimster Gedanken des Diktators aus jenen Tagen, als der Stern seiner Macht den Zenit erreicht hatte. Nunmehr stellt sich heraus, daß sie allzu leichtgläubig für Originalstenogramme gehalten haben, was tatsächlich nur Gedächtnisprotokolle eines Ohrenzeugen gewesen sind. Der Quellenwert dieser Aufzeichnungen, die der Adjutant des Reichsleiters Martin Bormann, Ministerialrat Heinrich Heim, angefertigt hat, muß also künftig anders beurteilt werden. Nichtsdestoweniger bleiben sie ein einzigartiges historisches Dokument.