DIE ZEIT

Auf Sand gebaut

Das orientalische Kaleidoskop dreht sich in schwindelerregendem Tempo. Im Augenblick hat sich die ursprüngliche Krise, das grausame Spiel mit den Geiseln in der Teheraner Botschaft der Vereinigten Staaten, wieder einmal durch die zweite Krise hindurchgefressen, den verzweifelten Freiheitskampf der Afghanen gegen die sowjetischen Besatzer.

In Südafrika glimmt die Lunte

Es ist typisch für unsere Zeit, daß immer, wenn eine Krise ausbricht, alles gebannt auf jenen Fleck der Erde starrt, den zuvor niemand beachtet hatte: Iran, Afghanistan oder was es auch sei.

Das Feld lichtet sich

Leute mit einer guten Nase hatten schon vor Beginn des amerikanischen Wahlkampfes geraten, ein Auge auf Gerald Ford zu werfen.

Ein Irrlicht verlosch

Sie wetterten gegen Mauer und Stacheldraht, wie es die Springer-Presse nicht besser könnte. Breschnjew karikierten sie als neuen Hitler, Honecker als seine Marionette.

Zeitspiegel

Das Arbeitsgericht Arnsberg und in zweiter Instanz – das Landesarbeitsgericht in Hamm verurteilten den Arnsberger Regierungspräsidenten, den Lehrer Thomas Schmid auf die Dauer von drei Jahren als Teilzeit-Angestellten zu beschäftigen.

Worte der Woche

"Meine Heimatstadt Hamburg liegt nur 30 Meilen von einer großen sowjetischen Armee entfernt, die seit 35 Jahren an unserer Grenze stationiert ist.

Besuchs-Bilanz: Einigkeit in Grenzen

Mit letzter Sicherheit kann die Bilanz noch nicht gezogen werden, darin stimmen amerikanische und europäische Diplomaten überein, die mit der Analyse des Kanzlerbesuchs in Washington noch eine Weile beschäftigt sein werden.

Wolfgang Ebert: Deutschstunde

Es ist nicht etwa so, daß die Amerikaner von uns nichts wissen wollen. Es ist nur so, daß sie von uns leider zuwenig wissen.

Römischer Finanzskandal: Lira-Segen für die Christdemokraten

Ein Dieb muß nur mit denen oben teilen... dann wird ihn irgend so ein Scheißkerl zwar verhaften, doch niemals wird-ein Urteil ihn ereilen", so höhnte der freche Mundartdichter Belli schon vor fast 150 Jahren, als Kirche und Kurie in Rom regierten.

Deutsch-deutsche Beziehungen: Grünes Licht aus Moskau

Um 12.11 Uhr am vergangenen Freitag knallte es auf der Toilette des sowjetischen Generalkonsulats in West-Berlin. Eine Zwischenwand flog heraus, ein Büroraum wurde zerstört, ein Panzerschrank rutschte ein paar Meter beiseite.

Frankreich stützt die PLO: Diplomatie auf Messers Schneide

Es war ein Augenblick, der mehr bedeutete als alle kunstvoll gedrechselten Kommuniqué. Auf dem strategischen Hügel von Oum Qeis am Länderdreieck Jordanien–Syrien–Israel setzte der von König Hussein geflogene Hubschrauber auf – doch die Passagiere gingen nicht von Bord.

Iran: Das Gezerre um die Geiseln

Die "Bühne" war mittlerweile weltbekannt, die Handlung jedoch ein echtes Novum in der an aufreibenden Spektakeln nicht gerade armen Geschichte des Teheraner Geiseldramas.

Israels Siedlungspolitik: Kinder statt Kanonen

Es lief ab, im Stil einer längst erprobten Regie: Unbekannte Araber erschossen im Basar Hebrons, der zweitgrößten Stadt im besetzten Westjordanien, einen jungen Thora-Studenten aus der nahe gelegenen jüdischen Siedlung Kiryat Arba.

Afghanistan: Wie weiter?

Weitere 30 000 sowjetische Soldaten sollen sich nach Angaben des amerikanischen Geheimdienstes unmittelbar nördlich der afghanischen Grenze auf sowjetischem Territorium in Bereitschaft halten.

Spanien: Stimmengewinne für Separatisten

Aus den Wahlen zum ersten Parlament des Baskenlandes ist die Nationalistenpartei PNV als Sieger hervorgegangen. Erhebliche Stimmengewinne verbuchten aber auch die der Separatistenorganisation ETA nahestehenden Parteien.

BONNER BÜHNE: Zipfel einer leeren Wurst

Nur in Anführungszeichen mag Lorenz Niegel, Abgeordneter und Parteifreund Edmund Stoibers (CSU), Leute wie Hans Magnus Enzensberger, Günter Wallraff, Klaus Staeck, Heinrich Böll und Peter Weiß "Schriftsteller" oder "Künstler" nennen.

Erhard Eppler geht einen schweren Gang

An Erhard Eppler scheiden sich die Geister. Verehrung oder Verdammung, Gefolgschaft oder Gegnerschaft, ganz oder gar nicht – er scheint nicht einzuladen zur vorurteilslosen Betrachtung.

Veteran der Länderchefs: Schwieriger Außenseiter

Mit erhobener Faust, den Freiheitsruf auf den Lippen, so größte er im März 1933 seine Münchner Wähler, die ihm trotz des nationalsozialistischen Terrors die Treue gehalten hatten; Im März 1980, seinem letzten Wunsch gemäß, wurde die Urne Wilhelm Hoegners auf dem Münchner Friedhof Perlacher Forst neben dem Grab der Geschwister Scholl beigesetzt.

"Schwarzer Scheißer": Watschn vom Landrat

Eines der schlagfertigsten Mitglieder der CDU-Mannschaft Baden-Württembergs ist zweifelsohne der 47jährige Robert Maus, seines Zeichens Landrat von Konstanz: und christdemokratischer Volksvertreter in Stuttgart.

Falscher Sessel

Im Saarland, Deutschlands abgeschiedenster Provinz, ging ein Trauerspiel über die Bühne, das viele zum Lachen reizte. Anlaß für den Heiterkeitsausbruch war folgender Brief, den der Vorsteher des Finanzamtes in St.

Neue Wähler: Auf Alten-Fang

Zeitungsmeldungen, in Haushalte verschickte und am Schwarzen Brett des Altersheims angeheftete Einladungen verhießen Informationen über eine neue Seniorenvereinigung, die "die Interessen der älteren Generation im öffentlichen Leben wirksam, zu vertreten" versprach.

Sozialismus – Nationalsozialismus: Kritik verboten

Fast schien bereits Gras über die abenteuerliche Gleichsetzung von Braunhemden und Rotfrontkämpfern gewachsen, da führte die unglückliche Propagandathese aus dem Unionslager an der Universität Regensburg zu einem mittleren Skandal: CDU-Bundestagsabgeordneter Manfred Abelein, der hier einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft innehat, verweigerte einem seiner Studenten seinen Seminarschein, weil dessen Arbeit wissenschaftlichen Anforderungen nicht genüge.

Mit dem Parteibuch befangen?

Es gibt kein verläßliches Zahlenmaterial darüber, wie viele der rund 20 000 in der Bundesrepublik angestellten Journalisten in politischen Parteien organisiert sind.

"Monologe im Führer-Hauptquartier": Adolf Hitler in Volksausgabe

Auch Historiker, selbst die angesehensten, können auf den Holzweg geraten: Seit beinahe dreißig Jahren, genau seit der Erstauflage von "Hitlers Tischgesprächen im Führerhauptquartier 1941–1942" im Jahre 1951 wähnte sich die deutsche Geschichtswissenschaft im Besitz originärer Äußerungen, geheimster Gedanken des Diktators aus jenen Tagen, als der Stern seiner Macht den Zenit erreicht hatte.

Landsberg an der Warthe: Auf Suche nach Heimat

Es gibt Wörter, die unterm Druck der allgemeinen Verhältnisse verludern und hinterher unbrauchbar sind. Es gibt Wörter, die den soeben beschriebenen Vorgang durchleiden und sich danach, unglaublicherweise, davon zu erholen vermögen.

Alle Jahre wieder

Bei der Frühjahrspreisrunde der Autoindustrie wollen die Importeure nicht mitmachen

Sägen am eigenen Ast

Industrielle und Gewerkschafter in Großbritannien rufen zur Zeit im Chor um Hilfe. Da die Wirtschaft der Insel in immer mehr Bereichen im internationalen Preis- und Leistungswettbewerb nicht mehr mithalten kann, soll der Staat seine schützende Hand über sie halten und die lästige Konkurrenz in die Schranken weisen oder am besten gleich ganz aussperren.

Britisches Pfund: Außenseiter

Bundeskanzler Schmidt hat bei seinem letzten Besuch in London die Diskussion darüber angestoßen, ob Großbritannien jetzt nicht doch auch das Pfund in das Wechselkursgefüge des Europäischen Währungssystems einbinden soll.

Umwelt: Zum Nulltarif

Grüne, die es mit dem Umweltschutz ernst nehmen, beteuern immer wieder ihre Bereitschaft, sich eine bessere Lebensqualität durch saubere Umwelt auch etwas kosten zu lassen.

Energie: Resignation

Mehr als sanfter Druck war noch vor wenigen Jahren nötig, um die Elektrizitätswirtschaft dazu zu bewegen, mit dem Bergbau die Abnahme von jährlich 33 Millionen Tonnen Steinkohle langfristig zu vereinbaren.

Die Bombe des Signor Alibrandi

Er gleicht nicht seinem frommen und milden Namensvetter aus Padua, der römische Untersuchungsrichter Antonio Alibrandi. Weit eher erinnert er an den asketischen Eiferer Savonarola.

Israel: Eine Null weniger

Gespür für Dramaturgie bewies Israels Finanzminister, Jigal Horowitz, als er seine Ministerkollegen überraschend zu einer Kabinettssitzung zusammentrommeln ließ.

Kein Siemens bei Siemens

Hermann Bößenecker: Vom nächsten Jahr an wird der Aufsichtsrat des größten deutschen Elektro-Konzerns nicht mehr von einem Mitglied der Gründer familie geführt. Hat sie abgedankt?

Umweltschutz: Filibuster der Franzosen

Die deutsche Salzindustrie war von Anfang an skeptisch gewesen. Sie hielt für überflüssig, was die fünf am Rhein liegenden Länder 1976 nach mehr als zehnjährigem Tauziehen feierlich beschlossen: die zunehmende Versalzung des Rheins zu stoppen.

ZEITRAFFER

Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik lag im Februar mit 992 500 wieder deutlich unter der Millionengrenze. Die Arbeitslosenquote, im Januar noch bei 4,5 Prozent, ging auf 4,3 Prozent zurück.

Stellenanzeigen: Mehr scheinen als sein?

Als Helmut Minta, Vizepräsident der Bundesanstalt für Arbeit, jüngst in einem Vortrag vor einer Arbeitgebergruppe in Hamburg beiläufig erwähnte, daß 20 bis 30 Prozent der Stellenanzeigen in Zeitungen, die nicht unter Chiffre erscheinen, nicht unmittelbar der Personalsuche dienten, wurde diese Bemerkung kaum beachtet.

Manager und Märkte

Wer aufschneidet, hat es wohl nötig: Grundig, Marktführer in der deutschen Unterhaltungselektronik, verkündete vergangene Woche in ganzseitigen Zeitungsanzeigen nicht nur "eine neue Video-Zeit", sondern auch: "Mit weiteren 18 europäischen Herstellern sind wir überzeugt: Europas künftiges Video-System ist das neue Video 2000.

Sinnvolle Beteiligung

Gattermann: Für uns gibt es zwischen Vermieter und Mieter keine Klassengegensätze. Vielmehr ist im Rahmen eines vernünftigen Mietvertrages eine abgestimmte Interessenidentität zu sehen, und von daher ist es naheliegend, daran zu denken, daß man bei notwendigen Investitionen auch finanziell zusammenwirkt.

Wir, die Ungleichen

Wir leben seit gut zweihundert Jahren im Schatten Rousseaus; wir leiden, wie er, an unserer Ungleichheit. Nun sind "Gleichheit" und "Ungleichheit" trügerische Wörter.

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