Ob ein Journalist sich zum Lakaien seiner Partei macht oder nicht, hängt – wie so vieles andere – von seiner inneren Unabhängigkeit ab: Es gibt Journalisten, die einer Partei angehören oder ihr nahestehen, und die dennoch so frei in ihrer Schreibe sind, daß diese Bindung nicht einmal durchschimmert; umgekehrt kennt man Journalisten, die nicht Mitglied einer Partei sind und die dennoch parteilich so festgelegt sind wie ein Spitzenfunktionär. Reinhard Appel hat in seinem Referat auf den Mainzer Tagen der Fernsehkritik 1976 festgestellt: "Freilich ist wohl im allgemeinen ein unabhängiger Journalist schwerer ins Schlepptau zu nehmen als ein parteigebundener. ... Einen Regelsatz möchte ich aus dem Unterschied zwischen ungebundenen und parteigebundenen Journalisten dennoch nicht machen, denn ich kenne Journalisten, die einer Partei angehören und deren Unabhängigkeit größer ist als die von nicht parteigebundenen."