Beleidigungen und Ohrfeigen – in Konstanz geht es schlagkräftig zu

Von Werner Gutmann

Konstanz

Eines der schlagfertigsten Mitglieder der CDU-Mannschaft Baden-Württembergs ist zweifelsohne der 47jährige Robert Maus, seines Zeichens Landrat von Konstanz: und christdemokratischer Volksvertreter in Stuttgart. Vor einem Jahr verpaßte der Politiker dem 25jährigen Jungsozialisten Mike Kühl aus Singen am Hohentwiel saftige Ohrfeigen. Jetzt soll der geschlagene Sozialdemokrat ganz christlich auch noch die andere Wange hinhalten, denn gegen ihn und nicht gegen Landrat Maus wurde – auf Weisung des Stuttgarter Justizministeriums – ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Der Mißgriff war Maus mitten in der schwäbisch-alemannischen Fasenacht unterlaufen. Aus unerfindlichen Gründen fühlte er sich bemüßigt, am Abend des 21. Februar 1979 einen „Kontrollgang“ zu einem von ihm genehmigten Fasnachtsball zu unternehmen. In den Singener Handelslehranstalten, dem Ort des ausgelassenen Treibens, war der Landrat, von Kopf bis Fuß unfasnächtliche Amtsperson, dem dort versammelten munteren Völkchen nicht gewachsen. Schüler und Gäste nahmen den ungebetenen „Kontrolleur“ kräftig auf die Schippe. Unter Johlen und Pfeifen verlas der SPD-Kreisrat Dietmar Johann den fingierten Brief eines „Fritz Spießbürger“, worin Landrat Maus als der einzig wirklich aufrechte Tugendwächter bezeichnet wurde. Bei seinem „geordneten Rückzug“ aus dem Schulgebäude geschah dann das Malheur: Der erzürnte Landrat griff sich einen jungen Mann, der ihn mit „Jawohl“-Rufen nicht hatte zu Wort kommen lassen, und verpaßte ihm, nach den Angaben des Opfers, zwei Ohrfeigen.

Damit hatte Maus seinen Spitznamen „Watschn-Roby“ weg. Gestützt auf den Antrag seines Parteifreundes, des Singener Kulturamtschefs Herbert Berner, trat der Politiker nun die Flucht nach vorn an und berief eine Sondersitzung des Kreistages ein. Kosten: 5000 Mark. Dort gelang es der CDU- und „Freie-Wähler“-Mehrheit nicht, die Szene zum Tribunal gegen Dietmar Johann umzufunktionieren. Wohl aber lieferte Maus mit seiner Schilderung jenes Vorfalls ein amtliches Tonbandprotokoll, das ihn nach dem Grundsatz „wer sich entschuldigt, klagt sich an“, eher be- als entlastet. Zu einer Entschuldigung bei dem anwesenden Juso langte es Maus allerdings nicht. Immerhin muß man dem Landrat zugutehalten, daß er aus der Schülermenge nach eigenem Bekunden mit Zurufen, wie: „Maus raus!“, „CDU-Schwein“ und „schwarzer Scheißer“ provoziert worden ist. Maus: „Ich bin Mensch, nicht Maschine!“

Auf Grund des glasklaren Tatbestands reagierte Kühl, dem nicht einmal der Landrat solche wüsten Redensarten nachsagen konnte; mit einem Strafantrag wegen Beleidigung und Körperverletzung im Amt. Kuhls Anzeige wurde jedoch nicht weiter verfolgt. Der CDU-Politiker Maus, dessen Konterfei als Landtagskandidat augenblicklich neben dem seines SPD-Kontrahenten Johann von den Wahlplakaten im Hegau lächelt, genießt den Schutz der Immunität, und die CDU-Mehrheit im zuständigen Ausschuß und im Landtag lehnte die Aufhebung der Immunität ab, obwohl Maus, in amtlicher Eigenschaft als Landrat, zugelangt hatte.