Pressekonferenz beim Hamburger Sportverein. Manfred Kaltz, Starspieler des HSV, brachte seinen persönlichen Berater mit. Der Vorstand, flankiert von Manager Netzer und Trainer Zebec, äußerte "Zufriedenheit" über einen Vertrag, der den Nationalspieler für weitere vier Jahre an den hanseatischen Traditionsverein binden. wird. Das Gehalt wird eine halbe Million Mark pro Jahr betragen. Kaltz selbst sagte nichts, außer er hätte viele Angebote gehabt, und ihm sei bei dem Entschluß, weiterhin für den HSV zu spielen, der Vertrag mit einer Sportartikelfirma hilfreich gewesen. Die Firma will einen Fußballschuh namens Kaltz auf den Markt bringen.

Zwei Tage später, in der Europacup-Begegnung des HSV mit Hayduk Split (1:0), spielt Kaitz miserabel.

Weitere drei Tage danach – der HSV gewinnt sein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit 5 : 0 Toren – ist Kaltz einer der Besten. Wie paßt das zusammen?

Der Engländer Kevin Keegan, in der vergangenen Saison die absolute Nummer 1 beim HSV, spielt in dieser Saison schwach. Mal sind es die Ohrenschmerzen, die ihn plagen; mal die Journalisten, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen; mal ist es sein Temperament, das ihn in Widerspruch zu den Schiedsrichtern setzt. Wegen einer vierten "gelben Karte" mußte er das Spiel gegen Frankfurt aussetzen.

Wie ist das zu verstehen bei einem Mann, der aus dem englischen Fußball die beste professionelle Einstellung mitbrachte? Heute klagt er, das Profigeschäft in der deutschen Bundesliga sei "unmenschlich". Zwischendurch hat er allerdings einige Millionen Mark hinzuverdient und nun will er fort aus der Bundesrepublik. Mit seinen Gedanken ist er bei seinem neuen Arbeitgeber, dem FC Southampton.

"Ein Spieler kann in bester körperlicher Verfassung sein", erklärt der ehemalige Bundestraider Helmut Schön, "und er kann trotzdem ein schwaches Spiel liefern; erst wenn in vollem Maße die körperliche und geistige Kondition übereinstimmt, ist er wirklich fit. Wehwehchen, die häufig als Entschuldigung für eine schlechte Leistung angeführt werden, stimmen meistens nicht. Kein vernünftiger Trainer stellt einen Spieler auf, der physisch krank ist. Aber wenn einer psychisch nicht auf dem Damm ist, dann wird das weniger ernstgenommen, obwohl es auch ein Leistungsdefizit zur Folge haben kann."

Und Helmut Schön fährt fort: "Früher, im Trainingslager der Nationalmannschaft, etwa vor einer Weltmeisterschaft, hatte ich etwas gegen. das ‚cherchez la femme‘. Heute weiß ich, daß das ‚cherchez l’argent‘, die Suche nach dem Geld, viel gefährlicher ist. Die Vertragsverhandlungen mit den Spielern fallen ausgerechnet in die entscheidende Endphase der Bundesliga."