DIE ZEIT

Mutmaßungen über Wehner

Manchmal gibt es in Bonn wirklich noch Geheimnisse. Eines der bestgehüteten ist momentan die Rede Herbert Wehners, obwohl er sie in einem größeren Kreis saarländischer Parteifreunde gehalten hat.

Grüne Gefahr für Bonn?

Die einen registrieren es mit Schadenfreude, die anderen erkennen es mit Trauer: Erhard Eppler, der in der Bundesrepublik wohl am meisten dazu beigetragen hat, die Ängste und Ahnungen der Grünen ins nüchtern-helle Licht des Bewußtseins zu rücken und die Ökologen politisch sprach- und handlungsfähig zu machen – ausgerechnet er ist an ihnen gescheitert.

Harter Carter

Die deutschen Politiker, die in der letzten Zeit Washington besuchten, haben allesamt das gleiche beobachtet: Die Berater des Präsidenten messen die Qualität der Entscheidungen Carters daran, ob sie seine Wahlaussichten verbessern oder nicht.

Krise einer Demokratie

Die Kunst, mit Widersprüchen zu überleben, stößt selbst in Italien auf Grenzen. So jetzt die paradoxe Vorstellung, die sich die neue, von nur knapper Mehrheit getragene Parteiführung der Democrazia Cristiana zurechtgelegt hat: Man brauche nur die Achse der Partei ein wenig nach rechts zu verlagern, um links brauchbare Koalitionspartner zu finden.

Worte der Woche

"Für mich stellt das Festhalten der amerikanischen Geiseln keine Trumpfkarte für Iran mehr dar. Sie schafft sogar Schwäche, da sie uns daran hindert, im internationalen Bereich so zu handeln, daß Voraussetzungen für die Durchsetzung einer Politik der nationalen Unabhängigkeit mit Europa und allen Ländern geschaffen werden, die nicht unter dem Einfluß der Supermacht stehen.

Zeitspiegel

Ein Gefolge französischer Journalisten begleitete Präsident Giscard d’Estaing bei seinem Staatsbesuch in den Nahen Osten. Darunter befanden sich auch Journalisten, die sich mit der eklatanten Anklage der Zeitschrift le Canard Enchainé befaßt hatten: Geschenke an Giscard und seine Verwandtschaft hätten angeblich die französische Politik Bokassa gegenüber beeinflußt.

Israels neuer Außenminister: Ein Friedensmacher gegen den Frieden?

Aus Israel kommen neuerdings nur Hiobsbotschaften: Die Inflation (130 Prozent) vermag auch der neue Finanzminister Jigal Hurwitz, als rigoroser Sparkommissar eingestellt, nicht zu stoppen; die Arbeitslosenquote, die vor zwei Jahren bei Null lag, hat die Marke von 40 000 erreicht; Minister drohen ihren Rücktritt an; Ministerpräsident Menachem Begin verlöre haushoch, würde jetzt gewählt (nur 17, statt 57 Prozent im Vorjahr, wollen ihn noch); mit Amerika, mit Europa gibt es nichts als Ärger; westlicher.

Umweltpartei: Renaissance der Amateure

Die Grünen jubilieren, die Parteien sind mal wieder irritiert. Der Appeal, der von der ökologischen Protestbewegung ausgeht, widerspricht ihren politischen Erfahrungen, Spielregeln und Ritualen.

Don Quichotte in Illinois

Der Fluß wälzte grüneingefärbte Fluten in den Michigansee, und auf den Bürgersteigen stand grüne Sauce. Am Tresen in den übervollen Schenken gab es grünes Bier, und die Sahne auf dem Irish Coffee bekam einen grünen Spritzer.

Wolfgang Ebert: Die Genscher-Doktrin

"Nein, denn gerade nach Genschers Doktrin soll ein deutscher Politiker eben nicht vom Inland aus Äußerungen kritisieren, die ein anderer Politiker im Ausland gemacht hat.

BONNER BÜHNE: Hilfe nur bei Wohlverhalten

Zum Schluß wird auch der Kanzler noch genannt. Unter den zehn "guten Gründen für die SPD", die sie ihrem Wahlprogramm vorangestellt hat, taucht als letzter auf: "Helmut Schmidt muß Kanzler bleiben".

Olympia Wirrwarr

Das Nationale Olympische Komitee der Bundesrepublik wird sich nach Ansicht von NOK-Präsident Willi Daume gegen eine Olympiateilnahme in Moskau aussprechen, falls die Bundesregierung einen solchen Schritt empfehlen sollte.

Manlio Brosio gestorben

Der frühere Nato-Generalsekretär Manlio Brosio ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Der Italiener Brosio hatte verschiedene Botschafter- und Ministerposten inne, bevor er von 1964 bis 1971 das höchste Amt des Verteidigungsbündnisses übernahm.

Ost-Berlin: Doch zurück ins Glied?

Gedanken über den Bewegungsspielraum der DDR-Politik machten sich die Mitglieder der Gesellschaft für Deutschlandforschung während ihrer Jahrestagung in Berlin.

Carters Optionen: Wie den Russen widerstehen?

Die Schwächen der neuen amerikanischen Sicherheitsstrategie im Nahen Osten sind schön oft analysiert worden. Welche Bedeutung hat die Golfregion? Was versteht man unter Versuchen der Sowjetunion, dieses Gebiet zu "beherrschen"? Bei welchem Versuch, wo und von wem, würden wir auf militärische Gewalt zurückgreifen? Solchen Fragen sind die Regierungssprecher bisher aus dem Weg gegangen, und man kann ihnen daraus nicht einmal einen Vorwurf machen.

Parlamentswahlen im Iran: Mullahs siegen über die Mitte

Die fünf jungen Bauern aus dem Elbrusgebirge scheuten keine Mühen, um ihren. Protest anzumelden. Wenige Tage nach der ersten Runde der iranischen Parlamentswahlen waren sie mit ihrem klapprigen Lieferwagen aus dem Gebirgsdörfchen Varamin nach Teheran gekommen, um sich im Innenministerium über die Schummeleien des ehemaligen Staatssekretärs im Landwirtschaftsministerium, Reza Esfahani, zu beschweren.

Versagen auf der ganzen Linie

Die vorstehende Zusammenfassung und Bewertung zu dem Untersuchungskomplex offenbart nach Ansicht des Untersuchungsausschusses in weiten Bereichen der Hamburger Verwaltung schwerwiegende Organisationsmängel.

Strauß-Urteil: Mit harten Bandagen

Und für Wendelin Niedlich ist es ganz selbstverständlich, in einem Wahljähr, wie dem jetzigen auf seine Art aktiv zu werden: In einer Vitrine vor der Buchhandlung konnte die Aktion "Stoppt Strauß" ausstellen, was immer sie an Material bislang gegen den Kanzlerkandidaten der Oppositionsparteien zusammengetragen hat: Flugblätter, Plakate, Aufrufe.

Gefängnisseelsorge: Kritik hinter Gittern

Wir reden nicht mehr von einem Hausverbot", heißt es im Hause des Berliner Justizsenators Moritz Meyer. Von einem Hausverbot redet freilich die Kirchenleitung der evangelischen Kirche in Berlin, und sie bedauert, daß der Leiter der Haftanstalt Tegel den Gefängnispfarrer Wolfgang See von der Anstalt verwiesen hat.

Sündenregister in Augsburg: Marchais im blauen Bock

Zunächst wußten viele gar nicht, wie sie den Namen aussprechen sollten. Marchais? Schorsch Marchais? Die älteren Ausburger, welche die Messerschmitt-Werke mit der MAN noch als größte Industrie-Firma am Ort in Erinnerung hatten, erlebten in den Kriegsjahren vieles: Bombenangriffe, ausländische Arbeitskolonnen, Trainingsflüge in Hausdachhöhe, auch KZ-Brigaden, die rund um das Flugzeugwerk im Süden der Stadt Gräben zogen.

Geschichte contra Ideologie

Die Frage, ob Politik aus der Geschichte lernen kann, wird seit langem gestellt. Sie verlangt eine differenzierte Antwort. Geschichte ist kein Lehr- oder Rezeptbuch, kein Anwendungsformular für den Einzelfall, keine Anleitung für konkrete Verhaltensweisen.

Ein Hauch von Strenge

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, bewegt sich die Bundesregierung unaufhaltsam auf den Offenbarungseid zu. Sie wird 1981 eingestehen müssen, daß ein Teil der 1980 gesetzlich beschlossenen Ausgaben des Bundeshaushalts nicht zu finanzieren ist und darum gestrichen werden muß.

Energiepolitik: Dialog

Der EG-Kommissar für Energiefragen, Guido Brunner, möchte zwischen den Notenbanken der Europäischen Gemeinschaft und denen der ölproduzierenden Länder direkte Beziehungen herstellen.

Automarkt: Qualität

Die Nachricht kommt ungelegen: Gerade schicken sich deutsche Autohersteller an, nach und nach ihre Preise zu erhöhen, da bestätigt die Vereinigung der Technischen Überwachungsvereine in ihrem "TÜV Auto Report ’80" den Fabrikanten aus dem Ausland ausgezeichnete Verarbeitungsqualität: Autos aus Schweden litten nach zwei Jahren am wenigsten unter "schweren Mängeln", die Deutschen liegen erst auf Platz zwei, dicht gefolgt von den Japanern.

Stahlpreise: Wettbewerb

Obwohl Stahl teurer geworden ist, schreiben die Hüttenwerke rote Zahlen. Das jedenfalls beklagt der Branchenführer Thyssen. Der Grund: schneller als die Preise sind die Kosten gestiegen.

BONNER KULISSE

Die sozial-liberale Koalition in Hessen hat sich ja schon grundsätzlich entschieden, den Bau einer Wiederaufbereitungsanlage für abgebranntes Kernmaterial in Hessen zuzulassen.

Kampf bis zur Vernichtung?

Die Funktionäre des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) trugen es mit Fassung. Während Maria Weber, die stellvertretende DGB-Vorsitzende, am 5.

Wenn Politiker kneifen...

Es bestellt Freiheit des Arbeitskampfes, Streikfreiheit und Aussperrungsfreiheit." Dieser knappe, klare Satz steht nicht etwa im Grundgesetz; er steht auch sonst in keinem Gesetz.

BMW-Werk: Kalkulation mit Feiertagen

Eberhard von Kuenheim, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Motorenwerke AG und Präsident des Landesverbandes der bayerischen Industrie, warnte: Wenn der Freistaat die Wirtschaft durch weitere Feiertage zusätzlich belastet, dann wird das geplante neue BMW-Werk kaum nach Bayern kommen.

Datsum gegen Fiat

Das ist Masochismus", wetterte der Fiat-Vorstandschef Umberto Agnelli, als er nach einem dreistündigen Hearing aus dem Saal des staatlichen Komitees für Wirtschaftsplanung in Rom heraustrat, "wenn Alfa Romeo mit Nissan zusammen in Italien ein Auto baut, dann wäre das ein Unglück für dies Land und für Europa.

Plastik-Geld sitzt locker

Bargeld oder Kreditkarte?" fragt die Dame an der Kasse im Warenhus "Bloomingdales", "cash or charge?" Die meisten Kunden entscheiden sich für "charge".

Vertrauen leichtfertig gestört

Eine Behörde hat viele Methoden, ihre Kunden und die Mitarbeiter zu überraschen. Der neueste Coup gelang dem Vizepräsidenten der Bundesanstalt für Arbeit, Helmut Minta (siehe DIE ZEIT Nr.

Berlin: Engpaß am Wohnungsmarkt

Die Konjunkturerholung, meint – Handelskammerpräsident Horst Elfe, hat sich 1979 verstärkt fortgesetzt, es sei annähernd gleiches Wachstum wie im Bundesgebiet erreicht worden.

ZEITRAFFER

Vorfrühling im Einzelhandel? Im Januar setzten – nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes – deutsche Händler 14 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor.

Vertrauen verloren

Meseberg: Nun, sie schätzen sie zu Beginn dieses Jahres erstmalig wieder wesentlich schlechter ein als in den vergangenen vier Jahren.

Weltweites Problem Nummer eins: Inflation

Die Industrieländer der westlichen Welt haben in diesem Jahr ein gemeinsames Problem zu lösen: Die Preise werden steigen. Die Ursachen liegen im wesentlichen im kräftigen Preisschub von Öl und sonstigen wichtigen Rohstoffen.

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