Stuttgart

Der Stuttgarter Buchhändler Wendelin Niedlich ist Ärger gewohnt. Sein Laden hat sich seit vielen Jahren zu einer Art Kulturzentrum für all die Bürger entwickelt, die sich links nennen oder geben.

Und für Wendelin Niedlich ist es ganz selbstverständlich, in einem Wahljähr, wie dem jetzigen auf seine Art aktiv zu werden: In einer Vitrine vor der Buchhandlung konnte die Aktion „Stoppt Strauß“ ausstellen, was immer sie an Material bislang gegen den Kanzlerkandidaten der Oppositionsparteien zusammengetragen hat: Flugblätter, Plakate, Aufrufe.

Eines der Flugblätter freilich sollte Buchhändler Niedlich Ärger einbringen. Der Satz „Wer Strauß wählt, wählt Reaktion, Faschismus und Krieg“ mißfiel einem Stuttgarter Bürger derart, daß er bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Anzeige wegen Beleidigung erstattete.

Die „Strafsache“ gegen Niedlich wurde vor dem Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt abgelehnt. In der Begründung heißt es unter anderem:

Der Angeschuldigte hat dieses Flugblatt zusammen mit Anti-Strauß-Plakaten und Anti-Strauß-Literatur in einem Schaufenster seines Buchladens ausstellen lassen.

Der inkrimierte Text erfüllt nicht den Tatbestand des Paragraphen 185 StGB (Beleidigung).