Von Norbert Denkel

Alte Gasthäuser haben ihre Namen, die Namen ihre Geschichte. Nahrhaftes soll damit heraufbeschworen werden, bisweilen auch wenig Wahrhaftes. „Zum scharfen Eck“ wird eine Raststätte für Durstige genannt, die zwei meiner – inzwischen in Würde gealterten – Tanten im Rheinland betreiben.

Manch anderer Wirt auf Fremdenfang griff nach Sonne, Mond und Sternen, zu wilden Männern, Adlern, Lämmern und Bären. Himmliches und Irdisches bevölkert so die Wirtshausschilder, je älter desto schöner.

In Rovereto, Trient, Bozen, Klausen, Bruneck, Sterzing und Innsbruck, in Brixen, Auer, Sand bei Taufers, Hall, Salzburg, Linz, Graz, Stein an der Donau gab und gibt es heute noch „Elephanten“ als Wirtshauspaten.

Und zieht man auf der Landkarte eine Linie von Ort zu Ort, so kommt etwas wie eine Route heraus. Kein Zufall, sondern eine Elefantentour, stapfte doch 1551 tatsächlich ein Dickhäuter quer durch Europa.

Er hieß Soliman I., war ein gut erzogener indischer Hofelefant und die Sensation jenes Jahres. Im Windschatten solch nie gesehenen Fabeltieres reiste Maximilian, ältester Sohn des nachmaligen Kaisers Ferdinand, unterwegs in politischen Geschäften von Lissabon nach Wien.

Die hielten ihn mal kurz, mal lang an einem Ort, in Brixen länger als vorgesehen. Genau zwei Wochen blieb dort der Elefant, lang genug, um Wochen von Neugierigen anzulocken.