Schwalenberg in Lippe ist nicht so bekannt wie Rothenburg, aber weil es auf einer engen Bergterrasse liegt, hat es noch einen völlig unzersiedelten Stadtrand, und das ist einmalig.

Die ganze kleine mittelalterliche Stadtdemokratie läßt sich an den Bauwerken ablesen: Es gibt kaum Mieter, fast jeder hat sein eigenes Haus, ist Hausherr. Große Leute haben ein großes Haus, kleine Leute ein kleines. Es gibt keine Paläste, denen Büchner den Krieg wünscht, und keine armseligen Hütten, denen er den Frieden wünscht. Die Burg über der Stadt hat nicht einmal einen direkten Weg zur Stadt. Man ließ sich gegenseitig in Ruhe.

Das reiche Rathaus zeigt: Die Bürger regierten sich selbst. Die mittelalterlichen Stadtrepubliken waren republikanischer als Bonn, das seine Staatsbesucher ins Fürstenschloß Gymnich bittet: Städtebau ist ein unbestechlicher Spiegel jeder Gesellschaft.

Die Schule in Schwalenberg lag bis zum Krieg neben der Kirche, der Kirchplatz war Schulhof. Multifunktional, wie man heute sagt, wurde er die ganze Woche über benutzt. Es gab keine Öde, wie sonntags in modernen Schulzentren oder alltags in Kulturzentren. Man könnte die Grundschulklassen wieder im alten Schulhaus unterrichten, es steht noch. Alles steht noch in Schwalenberg, einschließlich der Stadtmühle.

Aber jetzt soll saniert werden.

Dabei springt eine neue Kanalisation heraus, und bis Zu diesem Punkt sind sich noch alle einig.

Die Auseinandersetzung begann mit dem ersten Sanierungsplan. Fast 30 Häuser sollten abgerissen werden, und eine Großgarage, schamhaft Parkdeck genannt, sollte ausgerechnet ans Ortsende. Das gab Ärger, und Pläne Verschwanden.