Im Alter von 50 Jahren machte er eine epochemachende Entdeckung – nicht ganz so zufällig, wie märchenhafte Beschreibungen es später immer wieder darstellten. Er war sich sogleich über die große Bedeutung seiner Entdeckung im klaren, legte auch von Anfang an großen Wert darauf, sie rasch zu veröffentlichen, bevor andere ihm zuvorkommen konnten. Aber obgleich er die vielen Möglichkeiten, seine Entdeckung finanziell zu nutzen (von der andere schon bald Gebrauch machten) auch sofort erkannte, verzichtete er darauf, sie sich patentrechtlich schützen zu lassen. Auch die Patentierung von Einzelheiten oder eine Beteiligung an wirtschaftlichen Ausnutzungen, die ihm von anderen, die mit seiner Entdeckung praktisch arbeiteten, oft angeboten wurden, hat er stets abgelehnt. Er war der Meinung, daß die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung kein Handelsobjekt sein sollten, schon gar nicht, wenn sie sich – wie es bei seiner Entdeckung war – als Segen für leidende Menschen erwiesen.

Aber wenn er auch auf finanziellen Gewinn (der ihn zum Millionär gemacht haben würde) verzichtete, hat die Entdeckung sein Leben dennoch einschneidend verändert, Es begann damit, daß er nach langen Bedenken dem Ruf an eine andere Universität folgte. In seinem alten Wirkungskreis hatte er sich wohlgefühlt, und zwar nicht nur in seinem Institut, sondern in der ganzen Stadt, wo er und seine Frau viele Freunde hatten und wo es auf Gesellschaften recht formlos, aber dafür um so fröhlicher und freundlicher zuging.

In der neuen, größeren Stadt war das anders. Da mußte er viele offizielle Pflichten übernehmen. Das wurde ihm bald lästig. Zwar entzog er sich ihnen nicht, aber er mied, wenn es ihm nur irgend möglich und erlaubt schien, die Öffentlichkeit. So ließ ihn der Ruhm, den seine Entdeckung ihm brachte, scheu werden.

Er erhielt eine Reihe angesehener Auszeichnungen. Eine bestand in einem hohen Geldbetrag, Dieses Geld behielt er nicht für sich, sondern spendete es jener Universität, an der er seine Entdeckung gemacht hatte, für weitere wissenschaftliche Forschungen. Um diesen Preis in Empfang nehmen zu können, mußte er das für seine Universität zuständige Ministerium um Urlaub bitten. Sein Gesuch lautete so!

"Nach einer vertraulichen Mitteilung von der ... Akademie der Wissenschaft hat der ehrerbietigst gehorsamst Unterzeichnete den... Preis ... erhalten. Die ... Akademie legt besonderen Wert darauf, daß die Preisgekrönten am Verteilungstag... den Preis persönlich in Empfang nehmen. Da diese Preise einen ausnahmsweise hohen Wert haben und besonders ehrenvoll sind, so glaubt der ehrerbietigst gehorsamst Unterzeichnete dem Wunsch der ... Akademie, wenn auch nicht leichten Herzens, nachkommen zu müssen, und bittet er deshalb, ihm für die Dauer der nächsten Woche Urlaub gewähren zu wollen." – Das Ministerium sandte ihm das Gesuch mit der am Rand vermerkten zustimmenden Entscheidung zurück: "Auf Ihr Gesuch wird Ihnen für die Dauer der kommenden Woche erbetene Urlaub bewilligt."

Obgleich er weltberühmt wurde, hatte er als Universitätslehrer keinen großen Zulauf. Das lag sicher nicht nur an seiner leisen Stimme, mit der er vortrug, auch nicht daran, daß er sich nie um leichte Verständlichkeit bemühte. Wahrscheinlich waren die Studenten enttäuscht, weil er nie über seine Entdeckung las. Auf diesem Gebiet, das so unendlich viel Zukunft versprach, hat er selber nicht weiter geforscht. Er hat auch fast nie über seine Entdeckung gesprochen.

Er galt als streng und schwer zugänglich. Und mit zunehmendem Alter wurde er immer einsamer, besonders nach dem Tode seiner Frau, die er in ihrer jahrelangen Krankheit gepflegt hatte. Bevor er selber starb, im Alter von nicht ganz 78 Jahren, hat er fast alle ihn betreffenden schriftlichen Unterlagen, auch – bis auf ganz wenige Ausnahmen – alle Briefe vernichtet. So kam es, daß aus seinem Leben kaum mehr bekannt ist als die äußeren Daten.