Die Weltpolitik des Papstes Johannes Paul II.: "Am Gegner nicht verzweifeln

Von Hansjakob Stehle

Ideen, die zu kraftlos sind, um die Wirklichkeit zu gestalten, sind nur "müßiges Geschwätz und Wehgeschrei über das, was sein sollte, aber nicht ist" – so meinte, etwas zu streng für einen liberalen Philosophen, Benedetto Croce. Doch wenn dieser Maßstab irgendwo angebracht ist, dann bei einem weltmissionarischen Evangelium wie dem christlichen. Und wirklich: Der, dessen kommendes Reich "nicht von dieser Welt" sein will, hat gerade durch sein Scheitern an der politischen Umwelt eine geschichtsmächtige Bewegung auferstehen lassen, von der alle Staatengeschichte und Kirchenhistorie geprägt ist, ja sogar manche säkulare Erlösungsideologie.

Ob sich, wieweit sich freilich die befreiende Wirkung christlicher Botschaft zur Beseitigung irdischer Übel und nicht nur zur Vertröstung auf ein anderes Leben eignet – dies blieb in den Kirchen und bei ihren Theologen umstritten. Die Frage hat von jeher auch die Machthaber beunruhigt, gottlose wie göttliche Cäsaren, Zaren und Obristen.

Partei ergreifen oder vermitteln?

Was aber frommt heute einer Kirche? Politisch Partei zu ergreifen für eine der beiden Seiten, die sich das Heil auf dieser Erde streitig machen? Vermittelnde Brücken zwischen ihnen zu schlagen? Oder erhaben über jener "Barrikade" zu schweben, mit deren Brettern so viele Hirne und Herzen vernagelt sind?

Bequem ist keine dieser Möglichkeiten. Beschädigt werden kann dabei in jedem Falle ein Stück Glaubwürdigkeit – wenn auch nicht der Glaube selber. Er bedarf für den, der sich seiner sicher weiß, keines Echtheits-Zertifikats. Aber etwa auch keiner Bewährung auf dem Schauplatz menschlicher Erbärmlichkeit? Märtyrer, tote und überlebende, sind Zeugen, daß diese Frage nicht zur Ruhe kommt. Sie kann weder allein mit diplomatischer Glätte noch mit bloßem Bekennermut gelöst werden – schon gar nicht in einer Kirche wie der römisch-katholischen mit ihren weltweiten, verletzlichen Strukturen.