Hörenswert

The Singers Unlimited: "A Capella III". Es ist die zehnte Schallplatte, die ihr Entdecker, der Villinger Produzent und Jazzfan Brunner-Schwer, mit ihnen herausgebracht hat; es ist die dritte, auf der sie ohne Combo, ohne den Ziehharmonika-Jazzer Art van Damme, ohne Rob McConnell und die Boss Brass-Band ganz alleine singen und dabei ihre Tricks und ihre Talente am deutlichsten zeigen. Einer ihrer Tricks ist die Play-Back-Technik, die dem Gesangs-Quartett erlaubt, voluminös und vielstimmig wie ein Chor zu wirken; ihre Talente sind die fugenlose Perfektion, die sie beim Übereinandersingen erlangt habei, ihr Swing, und ihr Spaß an raffiniert harmonisierten und rhythmisierten Chorsätzen. Ihre Gefahr ist die unverschämte Glätte ihres Gesangs, die keine Hoffnung auf einen rauhen Ton aufkommen läßt – und dennoch ruft diese jazzige Darbietung eine seltsame Faszination hervor. (MPS 0068.245. MC 0668.245) Manfred Sack

Herzig

The Knack: "...but the little girls Widerstand." Der Titel verweist zwar darauf, aber mit dem Blues eines Willie Dixon oder Muddy Waters und deren sinistrer Erotik hat auch die zweite LP des amerikanischen Quartetts The Knack nicht das geringste zu tun. Wie schon das Debüt "Get The Knack" präsentiert auch dies Album "good clean fun", Teenager-Pop von der kommerziellsten Sorte, zu dem unter anderem wieder mal Buddy Holly und die frühen Beatles, Phil Spector und The Move die Originalvorlagen lieferten. Fast jeder Song des Zweitwerks hat bezüglich der Melodien und Texte einen "Doppelgänger" auf dem Debüt, und bei "The Feeling I Get" kopieren die vier gar notengetreu den alten Crystals-Hit "Then He Kissed Me". New Wave? Ether schon old hat, süß und nett wie Eiskrem-Soda und Mutters Apfelkuchen. (Capitol 1C 064-86 080)

Franz Schöler

Enttäuschend

Johann Sebastian Bach: "Matthäus-Passion". Er zählte nie zu den Verfechtern einer strengen historisch-kritischen Aufführungspraxis; dennoch: Karl Richter war gewiß einer der wichtigsten Initiatoren einer sakralen Musikkultur, die das spätromantische philharmonische Erbe überwinden half. Was immer dahinter stecken mag an künstlerischen wie außerkünstlerischen Überlegungen: Karl Richter scheint sich mehr und mehr in die privatistische Introversion, die gleichsam meditative Sensibilisierung zu flüchten – was sich musikalisch wenig positiv auszahlt. So langatmig und spannungsarm, so farblos, aber auch so wenig sorgfältig in der Intonation und Einsatz-Präzision seines Chores wie des Tutti-Orchesters hat Richter wohl noch nie eine Aufnahme abgeliefert. Selbst die Solisten bieten mehr das Lamentuoso der Leidensgeschichte als die Glaubensgewißheit der Erlösung. Richters alte Kassette ist immer noch um einige Klassen besser. (Mathis, Baker, Schreier, Fischer-Dieskau, Salminen, Regensburger Domspatzen, Münchner Bach-Chor und -Orchester; DG 27 23 067) Heinz Josef Herbort