Schadenfreude gilt im allgemeinen als wenig vornehme Gefühlsregung. Deshalb wird sie trotz ihrer weiten Verbreitung überwiegend im verborgenen genossen. Im Fall des Ölmilliardärs und Silberspekulanten Bunker Hunt und seiner Spießgesellen braucht sich dagegen niemand solcher Emotionen zu schämen. Ich jedenfalls bekenne, daß ich seit langem keine Wirtschaftsnachricht mit soviel Freude gelesen habe, wie die Meldungen über die Bauchlandung des Texaners und der mit ihm verbündeten Scheiche.

Ginge es um Briefmarken oder andere Raritäten ohne wirtschaftliche Bedeutung, könnte man es damit bewenden lassen, über die offensichtlich verrückt gewordenen Spekulanten den Kopf zu schütteln. Doch was die Hunts und ihre Helfershelfer sich geleistet haben, ist – wenn auch nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes – ein Wirtschaftsverbrechen globalen Ausmaßes. Denn hier wurde zum Schaden von Millionen Arbeitnehmern und Verbrauchern der Preis eines knappen und wichtigen Rohstoffes bewußt in die Höhe getrieben.

Leider ist die Silberspekulation, die an üble Machenschaften aus der Zeit des Frühkapitalismus erinnert, kein Einzelfall. Die Hunts selber haben vor einigen Jahren schon versucht, den Markt für die als Viehfutter unentbehrlichen Sojabohnen unter ihre Kontrolle zu bringen. Die maßlosen Sprünge des Goldpreises in den vergangenen Monaten wären in dieser Form ohne einige Drahtzieher im Hintergrund wohl auch nicht denkbar gewesen.

Deutsche Banken haben das Goldfieber mitgeschürt und sich dabei nicht gescheut, kleine Sparer mit dem grünen Band der Sympathie einzufangen, die das Risiko nicht im entferntesten übersehen konnten. Wer sich zu Preisen zwischen sieben- und achthundert Mark zum Goldkauf verlocken ließ, hat heute reichlich Zeit, darüber nachzudenken, wie es um den vermeintlichen Schutz vor der Inflation bestellt ist, den das als edel bezeichnete Metall angeblich gewährt.

Zu den Geschädigten gehören in diesem Fall aber nicht nur die großen und kleinen Spekulanten; die auf den schon fahrenden Zug aufgesprungen sind. Denn auch wenn Gold als Rohstoff weniger wichtig ist als Silber, so ist der gesamtwirtschaftliche Schaden infolge der Verteuerung auch hier nicht zu übersehen. Selbst wenn der Preis nicht wieder steigt, sondern auf dem gegenwärtigen Stand verharren sollte, bedeutet dies beispielsweise beim Zahnersatz, daß allein für die deutschen Kassen die Kosten in diesem Jahr auf über eine Milliarde Mark steigen – viermal soviel wie 1978.

Geschädigt sind aber nicht nur diejenigen, die auf Gold als Rohstoff angewiesen sind. Die Folgen der Spekulation sind viel weitreichender, da das Fieber auch auf andere Rohstoffmärkte übergegriffen und dort die ohnehin vorhandenen Preissteigerungstendenzen verstärkt hat. Die Inflation unter der heute alle Industrieländer leiden, wurde dadurch zusätzlich angeheizt.

Keine seriöse Bank sollte daher den Hunts helfen, die geplante Milliarden-Anleihe unters Volk zu bringen, mit deren Hilfe sie jetzt die Fortsetzung ihres üblen Spiels finanzieren möchten. Noch besser wäre es allerdings, wenn die Regeln an den Rohstoffbörsen so geändert würden, daß skrupellose Spekulanten dort nie wieder Monopoly spielen können.

Michael Jungblut