Die Trauerfeier für den in der vorigen Woche ermordeten Erzbischof von San Salvador, Oscar Römern, endete blutig: Nach Bombenexplosionen und gezielten Schüssen brach eine Panik aus. Über 40 Menschen starben, mehr als 200 wurden verletzt.

Der "blutige Palmsonntag", wie er sofort benannt wurde, hat noch einmal bewiesen, daß zwischen den drei Machtzentren El Salvadors keine Verständigung mehr möglich ist: Die linke Guerilla, die Nationalgarde und die Junta hatten versprochen, die Beisetzung nicht zu stören. Wer die Brandbomben in der Nähe der Kathedrale legte, ist noch so unbekannt wie der Mörder Romeros. Links und Rechts schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Romero hatte sich, bei aller entschiedenen Stellungnahme für die unterdrückte und ausgebeutete Mehrheit des Volkes, doch für eine Vermittlung bereitgehalten, nicht zuletzt in der Befürchtung, eine Ausweitung des Konfliktes könne das Ausland zur Intervention veranlassen. Der Regierungsjunta gelingt diese Vermittlung zwischen rechts und links seit Wochen nicht mehr.

Die von der Junta eingeleiteten Reformen sind gescheitert; teils am unverhüllten Widerstand jener 14 Familien, die das Wirtschaftsleben beherrschen; teils an den blutigen Ausschreitungen des Militärs, das unter dem Deckmantel des Guerillakampfes private Rache und persönliche Bereicherung betreibt. Zwar wird die Junta, als letzter Damm gegen den Bürgerkrieg, von den Vereinigten Staaten unterstützt, aber ihre Macht, Anordnungen durchzusetzen, schwindet zusehends. Die in einem gemeinsamen Kommando zusammengefaßten vier Guerilla-Bewegungen haben jedenfalls erklärt, sie befänden sich "im Krieg" mit der Regierung; das Militär dringt immer unverblümter auf die "Wiederherstellung der Ordnung" und finde: damit den Beifall der Oligarchie. Der Autoritätsverfall der Junta hat auch das Ansehen der Christdemokraten heillos zerstört, die als einzige Partei das Experiment einer "Reform gegen die Revolution" unterstützen.

Der Zwergstaat am Pazifik droht zum Kampfplatz ausländischer Interessen zu werden. In Guatemala stehen angeblich 4000 Mann bereit, Exilkubaner und Somoza-Gardisten, die vor den Sandinisten aus Nicaragua geflohen sind. Freiwillige aus Nicaragua sollen über die grüne Grenze einsickern und mit Waffen versorgt werden, die Kuba über Honduras einfliegt. Versprengte der freiwilligen Brigaden, die in Nicaragua gegen Somoza gekämpft haben, sind nach unbestätigten Berichten in El Salvador gesichtet worden. Die Zahl der Bürgerkriegsopfer seit Jahresbeginn beträg: schon mehrere Hundert; jeden Tag werden Opfer rechter Folterungen gefunden.

Die Kraftprobe zwischen den rund 10 000 regulären Soldaten und den Kämpfern der "Revolutionären Koordination" steht allerdings noch bevor: Anders als in Nicaragua erlaubt die Geographie des Landes keine "Fronten" und "strategische Rückzüge".

Überdies hat sich die nicaraguanische Erfolgskoalition von linken und rechten Kräften in El Salvador nicht gebildet; gerade das Beispiel des Nachbarlandes gilt dem konservativen Lager als Warnung, freiwillig keinen Fuß Boden preiszugeben. Entsprechend grausam würde der offene Bürgerkrieg bis zum Sieg einer Seite durchgefochten werden; diese Aussicht und die Einsicht in ihre militärische Schwäche hat die Opposition bisher vorsichtig taktieren lassen.