Beachtlich

"Yanks – Gestern waren wir noch Fremde" von John Schlesinger, der in den sechziger Jahren mit Filmen wie "Nur ein Hauch Glückseligkeit" und "Billy Liar" zu den Erneuerern des britischen Kinos zählte und jetzt nach einer wechselvollen Hollywood-Karriere ("Asphalt Cowboy", "Marathon Man") auf vertrautes Terrain zurückkehrt. "Yanks" spielt 1943/44, vor der alliierten Invasion in der Normandie, in einer kleinen englischen Provinzstadt. Zwischen den Einheimischen und den dort stationierten amerikanischen Soldaten herrscht nicht nur Eintracht: Als Verbündete sind die "Yanks" zwar willkommen, doch ihre exotisch anmutenden Bräuche stiften auch Konflikte. Mit epischer Gelassenheit, in einem Stil, dessen Diskretion und Detail-Malerei an den seines älteren Landsmannes David Lean erinnert, erzählt Schlesinger zwei anglo-amerikanische Liebesgeschichten: zwischen einem Truppenkoch (Richard Gere) und einer Krämerstochter (Lisa Eichhorn) und zwischen einem Offizier (William Devane) und einer Gutsbesitzerin (Vanessa Redgrave). "Yanks" ist ein romantischer Film, auf angenehme Weise altmodisch, aber doch nicht ohne kritische Aspekte: Suff und Rassismus bei den Amerikanern werden so wenig unterschlagen wie die engstirnige Fremdenfeindlichkeit, mancher Briten. Eine Entdeckung. die junge Lisa Eichhorn in ihrer ersten Filmrolle.

Hans C. Blumenberg

Mißlungen

"Schrei aus der Stille" von Anne Claire Poirier ist ein (kanadischer) Film über Vergewaltigung, der sich der Wichtigkeit dieses Themas ständig so bewußt ist, daß er nichts versäumen will, was den konkreten Fall (mit dessen Schilderung der Film beginnt) ins Allgemeine und Globale erweitert: mehr, als ein einzelner Film tragen kann. Bereits die Anfangssequenz, deren visuelle Gewalt allerdings so mächtig ist, daß die dargestellte Gewalt sich als fast körperlich fühlbare Angst in den Zuschauerraum fortsetzt, wird aufgehoben durch die folgende Szene, in der eben diese erste Sequenz von einer (fiktiven) Filmemacherin und deren Cutterin kommentiert und interpretiert wird. Es ist dieses mangelnde Vertrauen der Regisseurin in die Aussagekraft ihres Materials, verbunden mit dem durchgehenden Bestreben, das Konkrete nur als Beleg für das allgemeine Eigentliche zu nehmen, das den Film um seine Wirkung bringt. Von Momenten, in denen er auf das Niveau der Schüleraufführung einer griechischen Tragödie herabsinkt, war dabei noch nicht einmal die Rede.

Norbert Jochum

Enttäuschend