Eine Frau ging mit Freunden in ein Weinlokal; ihren Pelzmantel, einen wertvollen Ozelot, legte sie neben sich auf einen freien Stuhl. Der Kellner nahm den Mantel vom Stuhl und hängte ihn an einen Garderobenhaken an die Wand – wenige Meter von der Frau entfernt. Die Frau war damit zunächst nicht einverstanden und wandte ein, sie hätte den Mantel lieber in ihrer Nähe. Der Kellner beruhigte sie mit der Bemerkung, in diesem Lokal sei noch nie etwas weggekommen. Für die Vergangenheit mochte er recht haben, doch als die Frau bezahlt hatte und das Lokal verlassen wollte, war der Mantel weg – gestohlen.

Dieser Fall war vor wenigen Wochen Gegenstand eines Urteils des Bundesgerichtshofs (Aktenzeichen VIII ZR 33/79). In dem Prozeß hatte die Frau versucht, wenigstens einen Teil ihres durch den Diebstahl entstandenen Schadens vom Inhaber des Weinlokals ersetzt zu bekommen. Das gelang ihr nicht.

Zwar könnte ein unbefangener Bürger, der den ersten Absatz des Paragraphen 701 des Bürgerlichen Gesetzbuches liest, meinen, solch ein Fall sei selbstverständlich zugunsten der Pelzbesitzerin zu entscheiden; dort heißt es nämlich: "Ein Gastwirt, der gewerbsmäßig Fremde zur Beherbergung aufnimmt, hat den Schaden zu ersetzen, der durch den Verlust... von Sachen entsteht, die ein im Betrieb dieses Gewerbes aufgenommener Gast eingebracht hat."

Seit jeher wird aber das Gesetz von Juristen so interpretiert, daß unter "Beherbergung" nur die Aufnahme in ein Hotel oder Gasthaus verstanden wird, wobei die Vermietung eines Zimmers mit persönlichem Service entscheidend ist. Die reine Zimmervermietung ohne Service oder der Besuch eines Restaurants (ohne Zimmermiete) löst die Gastwirtshaftung dagegen nicht aus. Das Schild "Für Garderobe wird nicht gehaftet", das in vielen Gaststätten hängt, ist folglich ein zutreffender Hinweis auf das geltende Recht.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn ein Wirt verlangt, daß seine Gäste ihre Garderobe in einem besonderen Raum ablegen, den sie selbst nicht kontrollieren können, treffen ihn besondere Verwahrungspflichten, die er oft auch gesondert versichern läßt. In vielen Restaurants sind daher die Garderobenmarken zugleich eine Versicherungspolice für die abgegebenen Mäntel.