Fast fünf Millionen Übernachtungen beweisen: München ist die beliebteste deutsche Tourismus-Metropole. Trotzdem schauen die Stadtväter mit Sorgen in die Zukunft.

Obwohl 1979 erneut mehr deutsche Häupter in weiß-blauen Kissen ruhten (3097 Millionen gegenüber 2970 Millionen 1978) und sich die Verweildauer der Gäste von durchschnittlich 2,02 auf 2,04 Nächte steigerte, so sank doch der Anteil internationaler Schläfer gegenüber 1978 um 20.000 auf 1858 Millionen ab.

Die Hauptursache für diese Müdigkeit sieht Münchens Bürgermeister Winfried Zehetmeier in Amerikas schwachem Dollar. Zwar hielten die US-Touristen unverändert die Spitze unter den Ausländern, ihre Gesamtzahl ging jedoch um 13,07 Prozent auf 180 356 zurück. Aufgeholt haben hingegen Italiener und Österreicher. Der Schwund nordamerikanischer Gäste ist nicht die einzige Sorge, die Bürgermeister Zehetmeier plagt. Berlin droht mehr und mehr München vom Thron zu stoßen. Schon liegt es bei den Städtetouren auf Platz eins vor München.

Nach dem Bau des ICC, des Internationalen Congreß-Centrums, werden derzeit an der Spree die lange entbehrten Hotelburgen hochgezogen. An der Isar hingegen hofft das Fremdenverkehrsamt bislang vergebens auf ein vergleichbares Kongreßzentrum (Bürgermeister-Wunsch: "Ein Hauptsaal mit 3000 Sitzplätzen und 30 Nebenräume"). Denn, so Zehetmeier: "Auf die Dauer können wir uns nicht nur auf das landschaftlich attraktive Umfeld verlassen."

Münchens Hoteliers wissen in der Hochsaison nicht, wo sie die Besucherscharen unterbringen sollen, in der Vor- und Nachsaison aber stehen die im Sommer heiß umkämpften 26 090 Betten allzuoft leer. Nur zu rund 52 Prozent sind die Hotels ausgelastet.

Schließlich verhindert auch das ewige Hin und Her um den neuen Großflughafen im Erdinger Moos dringend notwendige Tourismus-Investitionen. "Damit München im internationalen Tourismusgeschäft konkurrenzfähig bleibt", fordert daher Fremdenverkehrsdirektor Strobl den baldigen Baubeginn. Im Juli/August soll es nun endlich soweit sein.

Und auch auf dem Hotelsektor tut sich was: Josef Schörghuber, Hauptaktionär der Hackerbrauerei, hat den Bau eines 1000-Betten-Hotels in der Bayerstraße, nahe dem Bahngelände, angekündigt. 250-Millionen-Mark-Projekt soll bereits 1983 eröffnen.

Paul Karlob