Von Ulrich Schiller

Washington, Ende März

Das rechte Wort am rechten Platz – das ist seit langem das Markenzeichen Ronald Reagans. Seit 15 Jahren zieht er nun als Redner für die Sache der Republikaner durch die Lande und immer wieder versteht er es, seinen schlichten und Grunde auch seit 15 Jahren unveränderten Gedankengängen für das richtige Publikum das richtige Glanzlicht aufzusetzen. Das röhrende Pathos Edward Kennedys ist ihm so fremd wie das rechthaberische Fingerzeigen des, George Bush. Mit der Bescheidenheit eines Bürgers, den eigentlich nur die Mißstände im eigenen Lande, nicht aber der Wille zur Macht in die Politik getrieben haben, tritt er – stets freudig erstaunt über die Menge der Zuhörer – an das Rednerpult und hat doch sofort als alter Profi die Stimmung des Publikums erfaßt.

Mal läßt Reagan anfangs eine witzige Pointe gegen Carter los ("Ein Mann, der Ihnen sagt, er liebe eine kalte Dusche, der belügt Sie auch in anderen Dingen."); mal gibt er Binsenwahrheiten eine elegante Hülle, um staatsmännischen Tiefblick zu demonstrieren ("Man sagt uns, es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Probleme. Nun, die Wahrheit ist, es gibt einfache Antworten, aber keine leichten."). In Chicago verweilte er bei dem altvertrauten Gedanken, daß der Vietnamkrieg "wahrscheinlich der falsche Krieg zur falschen Zeit" gewesen sei, und fand dann scheinbar mühelos zur Formulierung: "Nie wieder werden wir die Unmoral dulden, die darin liegt junge Menschen kämpfen und sterben sollen in einem Krieg, den unsere Regierung nicht gewinnen will."

Um die Positionen seiner Rivalen und Gegner kümmert sich Reagan im allgemeinen wenig. Selbst seine Polemik gegen Präsident Carter ist gemäßigter als die Senator Kennedys. Er führt seinen Wahlkampf in erster Linie um die eigene Sache und um seine Wähler; als republikanischer Spitzenreiter braucht er sich gegen niemanden abzugrenzen. Im gegenwärtigen Stadium des Wahlkampfes muß er sich nicht einmal dort exponieren, wo er angreifbar und verwundbar wäre und einfach zu wenig weiß. Er kann es sich leisten, im Rahmen des vertrauten politischen Geländes zu argumentieren, das er seit 15 Jahren wie einen uramerikanischen Acker bestellt hat. Das sind seine drei Themen: