Völlig aus dem Rahmen der Pressereaktion auf das ZEIT-Dossier fiel die Süddeutsche Zeitung. Unter der reißerischen Überschrift "Eine denunziatorische Fälschung der ZEIT" beschuldigte sie uns der bewußten Irreführung des Lesers. Wer freilich den spektakulär aufgemachten Beitrag auf Seite 1 (SZ vom 28. März 1980) liest, wird vergeblich nach irgendwelchen Belegen für den Vorwurf der Fälschung suchen. Die "Süddeutsche" hat hier offensichtlich nach dem Prinzip mancher Boulevardzeitung gehandelt, wonach die Überschrift mit dem Inhalt des Artikels keinen Zusammenhang haben muß.

Was der Leser erfährt, ist lediglich, daß die Süddeutsche Zeitung sich von der ZEIT verkannt fühlt. In dem Dossier "Operation Großes Ohr" hatte die ZEIT beiläufig erwähnt, daß die SZ ein angebliches Protokoll eines Gesprächs zwischen dem CSU-Vorsitzenden Strauß und dem Chef seines Parteiblattes Bayernkurier, Scharnagel, abgedruckt hatte. Den Vorwurf, dieses auf kopiertem Formularpapier des Bundesnachrichtendienstes zugesandte "Protokoll" im Januar 1978 nicht als Fälschung erkannt zu haben, wollte die SZ nicht auf sich sitzen lassen. Treuherzig versichert die Redaktion, sie habe schon bei der ersten Veröffentlichung darauf hingewiesen, daß einer der Betroffenen – Strauß das "Protokoll" für teilweise gefälscht halte. Richtig.

Nur: Die Münchner Kollegen müssen die von ihnen abgedruckten Passagen eines durch Verfassungsbruch zustande gekommenen Gesprächsprotokolls immerhin für echt genug gehalten haben, um sie zu veröffentlichen. Der Entschluß zum teilweisen Abdruck des anonym verschickten Machwerks war allerdings – zur Ehre der von uns hochgeschätzten "Süddeutschen" sei es angemerkt – innerhalb der Chefredaktion durchaus umstritten,

So mag in München bei den Formulierungen das schlechte Gewissen Pate gestanden haben: Wer Fälschungen an die Öffentlichkeit bringt, gerät offenbar leicht in Versuchung, anderen ähnliches Tun zu unterstellen. D. Z.