Ausländischen Studenten gelingt es immer schwerer, einen Studienplatz an einer deutschen Hochschule zu bekommen. Nun hat auch Hamburg als letztes Bundesland die Aufnahmebedingungen für das Studienkolleg verschärft. In einem Telephoninterview rechtfertigt Schulsenator Joist Grolle diese Maßnahme.

Frage: Es geht um etwa 1700 ausländische Bewerber des Studienkollegs, die sich bis zum 15. Januar um die Aufnahme beworben hatten. Diese jungen Ausländer haben nun einen Bescheid erhalten, daß zwischenzeitlich eine neue Zulassungsordnung keine Eingangsprüfung mehr vorsieht, sondern statt dessen als Mindestanforderung zur möglichen Aufnahme in das Studienkolleg einen Notendurchschnitt von 70 Prozent der möglichen Bestnote im Heimatabitur fordert. Diese jungen Ausländer sind der Auffassung, getäuscht worden zu sein.

Grolle: Ja, darf ich erst mal ein paar Worte vorwegschicken zur Erklärung dieser Maßnahme, die der Senat beschlossen hat, und dann vielleicht in einem zweiten Zuge darauf eingehen, wieweit hier Härten entstehen für die Betroffenen, und wieweit der Vorwurf der Täuschung berechtigt oder ausräumbar ist. Wir haben ja in den zurückliegenden Jahren mit derselben Bewerbergruppe immer schon zu tun gehabt, und damals handelte es sich um Zahlen, die unvergleichlich niedriger waren als zu diesem Termin. Im Wintersemester 1979/80 betrug die Zahl derer, die uns von den Universitäten, also Hamburg und Kiel, genannt wurden, 852 Studienbewerber. Plötzlich waren es aber gegen alle Erwartung rund doppelt soviel, eben diese von Ihnen schon genannten 1760. Die Zahl der Plätze, die wir zur Verfügung haben, wird aber nicht dadurch größer, daß die Bewerberzahl nun so gewaltig explodiert; also die Kapazitäten jetzt etwa kurzfristig zu verändern, das ist aus unserer Sicht nicht möglich. Insofern mußten wir versuchen, kurzfristig zu einer Lösung zu kommen, die eine Neuregelung schafft.

Offenbar hängt dieser plötzliche Zustrom mit der strikten Handhabung dieser Regelung in allen anderen Bundesländern zusammen. Wir haben uns die Zusammensetzung dieser Bewerber näher angesehen und festgestellt, daß nur 26 Prozent wirklich aus dem hamburgischen und schleswig-holsteinischen Bereich kommen und daß 65 Prozent aus dem übrigen Bundesgebiet und dann noch 8 Prozent direkt aus dem Ausland kommen.

Frage: Herr Senator, hatte es denn dann nicht nahegelegen, die Beschränkung, von der lokalen oder regionalen Zuständigkeit her zu bestimmen, also zu sagen: Das Hamburger Studienkolleg steht ausschließlich ausländischen Bewerbern offen, die entweder in Hamburg ihren Wohnsitz haben, oder sich für Hamburg direkt aus dem Ausland bewerben?

Grolle: Also ich bin kein Jurist und möchte deshalb die rechtlichen Voraussetzungen dieser Regelung hier nicht allzusehr vertiefen. Ich hätte, so auf den ersten Blick, Zweifel, ob es rechtlich ganz unproblematisch ist, jetzt auch unter dem Gesichtspunkt des Gleichheitsgrundsatzes, solche auf die örtlichkeit zugeschnittenen Zulassungskriterien zu schaffen.

Doch nun zu dem Gesichtspunkt der Härte: Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, den Zugang zur Hochschule zu bekommen: sicherlich einmal über das Studienkolleg und da sind unsere Kapazitäten, wie beschrieben, beschränkt. Es gibt aber auch die Möglichkeit der individuellen Vorbereitung, die dann zur externen Prüfung führt und auf diese Weise den Zugang zur Hochschule ermöglicht. Wir haben in diesem Zusammenhang noch mal ausdrücklich der Ausländerbehörde hier in Hamburg erklärt, daß in all den Fällen, in denen sich ein Bewerber hier bei der Behörde meldet und sagt: "Ich möchte die Fremdenprüfung, die Externenprüfung ablegen", daß wir ihn dann sozusagen in unser Verzeichnis aufnehmen und er mit dieser Bescheinigung seinen Aufenthaltsstatus hier befestigen kann. Er braucht also nicht zu befürchten, daß er nun Ausgewiesen wird.