Das menschliche Gehirn ist das komplizierteste Organ, das die Natur hervorbrachte. Die im Durchschnitt knapp dreipfündige, graurosa Masse enthält mehr als zehn Milliarden Nervenzellen, die zu einem unvorstellbar verwickelten Netzwerk verknüpft sind.

Die entwicklungsgeschichtlich ältesten Hirnteile gruppieren sich um das verlängerte Rückenmark. Im Zwischenhirn, dem wichtigsten Ziel stereotaktischer Eingriffe, werden alle elementaren Körperfunktionen gesteuert – aber auch unsere Gefühlswelt. Im unteren Teil des Zwischenhirns, dem Hypothalamus, sitzen unter anderem die Zentren für Atmung, Blutkreislauf, Hunger, Durst, Temperaturregelung und Sexualtrieb. Außerdem gibt der Hypothalamus der unmittelbar darunterliegenden Hirnanhangsdrüse Anweisung, wie sie den Hormonhaushalt des Organismus regeln soll. Im Thalamus laufen über mehr als zehn Millionen Nervenbahnen des Rückenmarks alle Körperfunktionen zusammen, die in diesem Hirnbereich sortiert und auf die jeweils zuständigen Zentren der Großhirnrinde – dem Sitz des Bewußtseins – verteilt werden. Zugleich erhalten diese Informationen je nach ihrer Dringlichkeit eine bestimmte Bewertung, die wir als Gefühlston erleben. In diese Hirnregion greifen die Psychochirurgen bei ihren Operationen ein: Durch ein kleines Loch in der Schädeldecke führen sie eine feine Sonde durch das (schmerzunempfindliche) Großhirngewebe bis in die räumlich vorausberechnete Zone des Zwischenhirns, in der sie die Ursache des "Übels" vermuten. Per Elektrostoß zerstören die Operateure dann das Gewebe. GH.