Hamburg

Mit der Tradition ohnehin auf Kriegsfuß, besinnt sich die Bundeswehr der eigenen inzwischen 25jährigen Geschichte und will neun Straßen auf dem Gelände ihrer Führungsakademie in Hamburg nach den Standorten der "höheren Kommandobehörden" des Heeres, der Marine und der Luftwaffe benennen.

Vier bisher namenlose Straßen kommen auf diese Weise zu ordentlichen Schildern, und damit die Kommandobehörden bedacht werden können, sollen fünf Straßen umgetauft werden, die nach mittel- und ostdeutschen Städten benannt sind. Aus der Chemnitzer Straße wird dann die Kölner und aus der Tilsiter die Ulmer Straße. Eine Umbenennung ohne Hintergedanken, wie die Führungsakademie versichert, allein verursacht durch die Anzahl der Kommandobehörden.

Ganz andere als rein arithmetische Überlegungen vermutet indessen der CDU-Bundestagsabgeordnete Stephan Reimers, denn er fragt sich im Hamburger Abendblatt, ob die politische Führung der Bundeswehr das Bekenntnis zur Einheit Deutschlands nicht mehr gelten lassen will. In der Antwort auf die parlamentarische Anfrage von Reimers bemühte Staatssekretär von Bülow in der letzten Woche gar das Grundgesetz und stellte fest, daß "die Benennung der Straßen im Einklang mit der Präambel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland steht. Die bisherige Benennung nach ausschließlich ostdeutschen Städten ist somit ebenso legitim wie auch die mögliche Benennung nach westdeutschen Orten".

Der Sprecher der Führungsakademie, Major Konrad Freytag, findet die Aufregung unangebracht. Schließlich bleiben acht mittel- und ostdeutsche Städtenamen im Straßenbild des militärischen Akademiegeländes erhalten und es wäre, so Freytag, "wohl politisch weit mißverständlicher gewesen, mit der Namensgebung weiter der alten Systematik zu folgen." J. R.