Er ist schon ein schlauer Fuchs, dieser Heinz Kluncker, Vorsitzender der Gewerkschaft öffentlicher Dienst, Transport und Verkehr (ÖTV). Da hält er zwei oder drei Wochen lang seine Verhandlungspartner in der diesjährigen Lohnrunde in Atem, läßt vor den Fernsehkameras mit sanfter Stimme markige Sprüche los, sorgt für dramatische Schlagzeilen und besorgte Kommentare –, und dann unterschreibt er einen Tarifvertrag, der ganz bescheiden aussieht.

Für den öffentlichen Dienst vereinbarte Kluncker Lohnerhöhungen um 6,3 Prozent, einen halben Prozentpunkt weniger als in der Metallindustrie. Rechnet man jedoch alles zusammen – zwei Tage mehr Urlaub und eine einmalige Zahlung für die unteren Einkommensgruppen (wie in der Metallindustrie) –, dann fahren die öffentlichen Bediensteten nicht schlechter als die Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft.

Nimmt man alles in allem, so reiht sich der Tarifabschluß im öffentlichen Dienst ein in den allgemeinen Trend der diesjährigen Lohnrunde. Und der Theaterdonner, den der ÖTV-Chef wieder einmal veranstaltet hat, das Rasseln mit den Mülleimerdeckeln, mußte wohl sein, denn schließlich muß sich Heinz Kluncker in diesem Sommer zur Wiederwahl als Gewerkschaftsvorsitzender stellen. Die Verkehrsstockungen in den Großstädten zeigten es: Auf seine Müllmänner kann er sich verlassen. hm