Fritz J. Raddatz: "Von Geist und Geld". ",Is was passirt?‘ – diese Frage als Antwort auf die Hamburger Finanzkatastrophe von 1825 konnte sich nur einer leisten, der sie sich leisten konnte; diese Mischung aus Gelassenheit und Hochmut schlägt nur einem zu Buche, der sein Konto nicht überziehen konnte; es ist jenes freundliche Lächeln der Macht, zu deren Umgangssprache gehört, daß auch Blei lächelt oder Zinn freundlich ist – jene Macht, deren Gezeiten nicht beim Jahre 1825 verhalten, die sich Mildtätigkeit, Hilfe und Stützungsaktionen erlauben kann, um danach noch einmal zu fragen: Is wirklich was passirt? Die Macht heißt Geld, und der die Fragen stellte, hieß Salomon Heine. Er war der Onkel eines Neffen Harry, besser bekannt unter dem Namen Heinrich Heine." So beginnt eine kleine literarische Skizze – vielleicht auch Sottise –, die dem ewig unentschiedenen Verhältnis der (Geld-) Mächtigen und der Geistigen nachsinnt; am Beispiel des Heinrich Heine, "unbekannter Dichter" noch heute. Gerade Heinrich Heine, dessen Wappenzeichen die lächelnde Träne war, balancesicherer Tänzer auf dem Seil, von dem er wußte, daß es sich ihm eines Tages als Schlinge um den Hals legen wird, hat sein Leben zugebracht in der Diskrepanz von Geist und Geld. (Bund Verlag, Köln, 1980; 99 Seiten, mit 6 Radierungen von Günter Grass, 24,80 DM.)

Rudolf Walter Leonhardt: "Journalismus und Wahrheit". Wer als Journalist über seinen Beruf nachdenkt, landet immer wieder bei der alten Pilatus-Frage: Was ist Wahrheit? Der römische Statthalter in Judäa resignierte: Für die Juden ist Wahrheit offenbar etwas anderes als für uns Römer – also meinetwegen: kreuziget ihn. Gibt es einen Fortschritt der Menschheit? Hört dieses "kreuziget ihn" einmal auf, die Lösung zu sein, wo Abgründe zwischen Überzeugungs-Wahrheiten unüberbrückbar erscheinen? Siebenmal wird in diesem Buch Wahrheit gesucht: Die Wahrheit der Sprache, die Wahrheit der Dinge, die Wahrheit der Zahlen, die Wahrheiten der Vernunft, die Wahrheiten des Gefühls, die Wahrheiten des Geschmacks und die Wahrheit der Zeugen. So müssen denn die Journalisten unter die Philosophen gehen? Vermutlich. Jedenfalls, solange nicht die Philosophen Journalisten werden. (Piper Verlag, München, 1980; 167 S.; 29,80 DM.)