Ach, mein Wunschtraum. Eine Oper möchte ich gerne inszenieren. Es wird bestimmt ein Hit Ich meine, ich habe letztes Mal "Carmen" gesehen. Das Dekor sah aus wie Jerusalem! Eine Oper möchte ich machen. Die Sänger würden ihren Platz haben, wo sie daraufstehen, und würden sich nur auf den Gesang konzentrieren. Und unten würden die Mimen ihre Sache machen. Das wäre "live playback", wie man das in China und Japan macht. Es ist sehr schwierig für eine Opernsängerin, sich auf ihre Stimme, auf die Musik und auf den Akt zu konzentrieren. Die Callas hat das gekonnt. Aber da gibt’s eine unter Millionen. Und ich meine, solche neuen Möglichkeiten und Gelegenheiten zu versuchen sollte man gerade in großen Institutionen machen, die vom Staat finanziert werden. Ich meine, das Schiller-Theater ist bald die Peep-Show vom Senat.

Der transsexuelle Show-Star Romy Haag in einem Interview mit dem Berliner Magazin "tip".

Armer Rolf

Rolf Hochhuth, Moralist, Stückeschreiber und literarischer Berater des Herrenblattes Penthouse, fühlt sich verfolgt. Für "progressive, humanistische" Dramatiker, also für Rolf Hochhuth, so klagte der Dichter auf einer Pressekonferenz im humanistischen Rostock, gäbe es in der Bundesrepublik kaum Resonanz. Stücke wie seine "Juristen" würden von den Massenmedien ignoriert oder verleumdet. Recht hat er: Schließlich sind beispielsweise im ZEIT-Feuilleton lächerliche vier Beiträge, lächerliche eintausend Zeilen etwa, zum Thema "Juristen" erschienen; schließlich hat sich die FAZ mit einer sehr langen Uraufführungskritik und einem noch längeren Grundsatz- und Moralreferat begnügt; schließlich haben die deutschen Fernsehanstalten, für die das Theater sonst kein diskutierbarer Gegenstand ist, auf allen Kanälen über die "Juristen" berichtet, und durchaus nicht negativ; haben es nur unbegreiflicherweise versäumt, Hochhuth für wichtiger zu halten als Afghanistan. Da ist einer beleidigt, da tut sich einer leid, der keinen Grund dazu hat – Filbinger heißt der Mann diesmal nicht.

Bißchen Simpl

Eine rote Dogge fletscht die Zähne als Markenzeichen auf einer der besten satirischen Zeitschriften, die je in Deutschland erschienen sind, auf dem Simplicissimus, 1896 von dem Verleger Albert Langen gegründet. Der Simpl-Hund konnte auch beißen: Als Frank Wedekind und Th. Th. Heine sich 1898. über die Orientreise von Kaiser. Wilhelm II. lustig machten, tat dies der Majestät so weh, daß Dichter und Zeichner für ein halbes Jahr in Festungshaft, genommen wurden. Vom Satire-Tier und dessen scharfem Biß ist in der jetzt erschienenen Neugründung der Zeitschrift übriggeblieben – ein Wort,das Adverb "ein bißchen". Der Frankfurter Verleger Conrad, der diese Mir schung aus Bierzeitung und Tanzstunden-Journal unter dem Traditions-Namen Simplicissimus herauszugeben wagt, verkündet auf dem Titelblatt: "Ab 24. März wird wieder gelacht! Und ein bißchen nachgedacht." Das erste Heft (96 Seiten in einer Auflage von 100 000 Exemplaren zu je 6 Mark) ist zum Weinen. Zum (Nach-)Denken gibt es auf keiner Seite irgendeinen Anlaß: Dies ist die eigentliche Leistung der von Amateuren bestückten Redaktion. Über "lustige" Gedichte und Geschichten, "treffliche" Illustrationen sollen wir, nach dem Willen von Verlag und Redaktion, "schmunzeln und herzhaft lachen". So betulich wie die Gebrauchsanweisung ist das Produkt. Da hilft es auch nichts,daß ein Kölner Konkurrent ("Informedia"), der ebenfalls Anspruch auf die Titel-Rechte erhebt, mit einer einstweiligen Verfügung gegen den neuen Simpl vorgeht: Dieses Schlummer-Magazin wird ohne fremde Hilfe sanft entschlafen.

Mantovani

Daß er einen Vornamen hatte (Annunzio Paolo), war so gut wie unbekannt, der Name war Signal genug. Man sagte Mantovani, und jedermann wüßte, wer und was gemeint ist, mehr noch, es hatte jeder diesen Klang im Ohr, den Streicherklang des Orchesters Mantovani. Wie vor ihm Glenn Miller und nach ihm James Last war ihm etwas gelungen, wovon jeder Orchesterleiter dieser Kategorie träumt: ein eigener, mit keinem anderen zu verwechselnder "Sound", also ein Image? bildendes musikalisches Arrangement. Mantovani hat diesem in schleppenden Tempi von Streichern geprägten Klangbild hemmungslos alles unterworfen und das sowieso Populäre noch einmal popularisiert: alle Schlager seiner Zeit, Film- und Volkslieder; er scheute sich auch gar nicht, Klassik-Hits wie das Air und das Largo, Chopin-Etüden und Mendelssohn-Lieder in seinen Geigenschmalztopf zu tauchen. Das Stück, in dem das alles konzentriert ist, ist längst zu einem Synonym für Mantovani geworden: "Charmaine". Es wird den Klangmanieristen, der am Wochenende im Alter von 74 Jahren gestorben ist, ein Weilchen überleben.