In der vorigen Woche berichtete Tele-Biß von einem Treffen der ARD-Intendanten am 1. April im Hotel Erbprinz in Ettlingen. In dem Bericht war davon die Rede, daß die Intendanten eine eigene Zeitung herauszugeben gedächten, in der die Presse aufs Korn genommen werden sollte. Ob dieser Aprilscherz nur ein schlechter Scherz war oder die Wirklichkeit vorwegnahm – Tele-Biß läßt es dahingestellt. Er dankt jedenfalls den hier im folgenden Schreibenden für ihr Verständnis.

Historische Bedeutung

Als Protokollführer der geheimen Intendantensitzung im "Erbprinzen" zu Ettlingen darf ich Ihnen mitteilen, was die Intendanten wirklich beschlossen haben: Die Einführung einer viertelstündigen wöchentlichen Fernsehsendung mit dem Titel "Zeit-Fraß". Die Sendung soll künftig jeden Freitagabend nach der Tagesschau im Ersten und nach der Heute-Sendung im Zweiten Programm ausgestrahlt werden. Der Beschluß gilt mit Wirkung vom 1. April 1980. Leider mußte die erste Sendung am Freitag, 4. April, ausfallen, weil sie die Würde des Karfreitags verletzt hätte.

Ferner beschlossen die Intendanten einstimmig, alle Mitarbeiter der Rundfunkanstalten in den Status pensionsberechtigter Beamter überzuführen, um die Aussagen der Presse endlich der Wirklichkeit anzugleichen. Vom 1. Januar 1981 an werden die neuen Funkbeamten von den Zwangszahlungen zur Sozialversicherung befreit. Durch die Einsparung des Arbeitgeber-Anteils zur Sozialversicherung ergibt sich dadurch eine Einsparung für ARD und ZDF in Höhe von nahezu 200 Millionen Mark. Auch die Abgaben für die Arbeitslosenversicherung entfallen für die künftigen Funkbeamten. Die bisherigen Versorgungszusagen in Form von Betriebsrenten werden in Beamtenpensionen umgewandelt. Es soll überdies geprüft werden, ob ähnliche Pensionsregelungen wie bei Generalen der Bundeswehr realisierbar sind.

Alle Intendanten mit juristischer Vorbildung lehnten den Vorschlag ab, Lauschangriffe auf die Redaktionssitzungen der Zeit zu führen, weil durch solche Methoden "das schöne Leben der pensionsberechtigten Programmbeamten" gefährdet werden könnte. Hingegen sei nichts dagegen einzuwenden, wenn nach der Art von Stern, Spiegel und Zeit auch im Fernsehprogramm gelegentlich über die Spesenaufwendungen der Verleger, Chefredakteure und Ressortleiter berichtet werde.

Zum Abschluß der Sitzung erinnerte der gastgebende Intendant des Süddeutschen Rundfunks an die historische Bedeutung des "Erbprinzen" für die Rundfunkpolitik. Die Intendanten hätten schon einmal in geheimer Sache vor fast 20 Jahren in Ettlingen getagt, nämlich am Montag, 25. Juli 1960. An jenem Tag seien sie aus dem Bonner Studio mit der Nachricht überrascht worden, Bundeskanzler Adenauer habe für 11.00 Uhr ein Fernsehteam in das Bundeskanzleramt bestellt, damit es den notariellen Akt der Gründung des "Deutschland-Fernsehens" für die "Tagesschau" aufnehmen könne. Der ARD-Vorsitzende und der ZDF-Intendant erklärten übereinstimmend, jedermann wisse, wie Adenauers Fernsehabenteuer ausgegangen sei. Man könne nur hoffen, daß es "allen Feinden Brandenburgs" so ergehen werde.

Ich hielt mich für verpflichtet, Ihnen diese Vorgänge mitzuteilen, da sie als Wochenzeitung wegen ihres frühen und behaglichen Redaktionsschlusses ihre Leser nur unvollständig informieren konnten. Als Protokollführer grüßt Ihr