Für den "Sieg der Konterrevolution" hätten sich Italiens Kommunisten entschieden – mit solch schwerem Geschütz wollte der nach Rom gepilgerte Iswestija-Kommentator Bowin letzte Woche nicht nur die beharrliche Verurteilung der sowjetischen Afghanistan-Intervention durch KPI-Chef Berlinguer treffen, sondern auch Moskaus doppelter Schadenfreude Ausdruck geben: über das scheinbar gleichzeitige Ende des Traums vom "Eurokommunismus" und vom "historischen Kompromiß" als Mittel kommunistischer Machtergreifung.

In der Tat hat die brüske Absage Berlinguers an das von Moskau gesteuerte, von Frankreichs KP betriebene Progagandaprojekt einer europäischen Kommunistenkonferenz gegen die westliche Raketennachrüstung der eigenwilligen Gemeinsamkeit zwischen den beiden größten kommunistischen Parteien des Westens ein Ende gemacht. Dies geschah in einem Augenblick, da Berlinguer aus der Oppositionsecke zusehen mußte, wie dem Christdemokraten Cossiga überraschend schnell die Bildung einer neuen Regierungsmehrheit mit Hilfe der Sozialisten gelang.

Doch der Schein trügt. Da Cossiga die Sozialdemokraten und Liberalen ausbooten mußte und nun den linken, den Kommunisten zuneigenden Flügel der Sozialisten bei der Stange zu halten hat, verschiebt sich Italiens politische Achse eher nach links – nicht zur Mitte, wie manche hoffen oder fürchten. Freilich vollziehen Berlinguers Kommunisten gerade jetzt eine außenpolitische Wende nach rechts, also zur Mitte hin. Dies verspricht auf lange Sicht dem Italokommunismus mehr Ausstrahlungskraft, als sie der Eurokommunismus je hatte. Er verspricht Italien zugleich mehr Stabilität als die prekäre Balance, mit der Cossiga jetzt noch einmal weiterregiert, hi. st.