DIE ZEIT

Absage an den Kreml

Für den "Sieg der Konterrevolution" hätten sich Italiens Kommunisten entschieden – mit solch schwerem Geschütz wollte der nach Rom gepilgerte Iswestija-Kommentator Bowin letzte Woche nicht nur die beharrliche Verurteilung der sowjetischen Afghanistan-Intervention durch KPI-Chef Berlinguer treffen, sondern auch Moskaus doppelter Schadenfreude Ausdruck geben: über das scheinbar gleichzeitige Ende des Traums vom "Eurokommunismus" und vom "historischen Kompromiß" als Mittel kommunistischer Machtergreifung.

Chomeini heizt die Krise an

Einen Augenblick lang leuchtete im Teheraner Geiseldrama ein Hoffnungsschimmer auf: Die fünfzig Gefangenen, so schien es vor Ostern, würden den radikalen Botschaftsbesetzern entwunden und in die Obhut der iranischen Regierung übernommen werden.

Mittag in Bonn

Günter Mittag in Bonn – ein deutsches Wunder? Der Wirtschaftslenker der DDR, von dessen ökonomischem Balanceakt auch Erich Honeckers politisches Schicksal abhängt, auf Visite bei Lambsdorff und beim Kanzler – während die beiden Weltmächte den Handel stornieren, Besuche annullieren, Dialoge blockieren.

Ende eines Traums

Es läßt sich nicht länger verheimlichen: Kuba steckt in einer tiefen Krise. Die fünftausend Untertanen Castros, die sich über Ostern auf das hoffnungslos überfüllte Gelände der peruanischen Botschaft in Havanna drängten, um ein Ausreisevisum zu ergattern, haben das Regime vor aller Welt bloßgestellt.

Zeitspiegel

Mit einem "Kaufgesuch" per Zeitungsinserat haben der kanadische Heilsarmee-Leutnant Chris Humphrey und seine Frau Edith eine ungewöhnliche Kampagne gegen die Abtreibung gestartet: "Unerwünschte Babys zu kaufen gesucht", annoncierten sie in einer Wochenzeitung Montreals.

Euroterrorismus: Scharf am Mord vorbei

Welcher Côte d’Azur-Tourist kennt schon Le Brüse? Das bescheidene Küstendorf liegt etwas abseits der großen Ferienstraße, ein paar Kilometer westlich von Toulon, und hat allenfalls bescheidene Attraktionen zu bieten.

Worte der Woche

"Unsere Antwort auf die Aggressionspolitik des Ostens ist eine absolut entspannungsbereite, friedensbetonte Haltung, aber verbunden mit einer glaubwürdigen moralischen und materiellen Verteidigungsbereitschaft.

Blamage für das Parlament?

Dem Bundestag und den Länderparlamenten droht, daß ihnen zum zweitenmal Verfassungswidrigkeit bei der Regelung der Abgeordnetenbezüge attestiert wird.

Südliches Afrika: Deutliche Signale an den Westen

Am deutlichsten wird der Umschwung der politischen Großwetterlage in Moçambique. Seit Wochen mehren sich die Signale, daß das sozialistische Land eine stärkere Bindung an den Westen sucht, wenn auch nur im wirtschaftlichen Bereich.

Südkorea: Aufatmen im Land der Morgenstille

Das Hotel Lotte ist Seouls letzter Schrei an Eleganz und Warenangebot. Dicker Marmor, künstliche Wasserfälle und Kellnerinnen in teuersten Nationalroben machen den Gast beklommen angesichts einer so vornehmen Umgebung.

Wolfgang Ebert:: Letzter Irrtum

Als der Fremde, der ziemlich erbarmungswürdig aussah, so, als käme er geradewegs aus der Hölle, an die Pforte klopfte, wurde ihm sofort aufgetan, aber als er schnurstracks eintreten wollte, vertrat ihm der eher vierschrötige, bärtige Pförtner mit den Worten: "Na, Moment mal, nicht so eilig, mein Freund", den Weg.

Italien: Neuer Wein im alten Schlauch

Bereits Anfang des Jahres hatte sich der Sturz der christdemokratischen Minderheitsregierung Cossiga abgezeichnet, als die christdemokratische Parteiführung auf ihrem Parteitag im Februar gegen vereinzelten Widerstand aus der früheren Moro-Fraktion das Steuer nach rechts warf, um einer möglichen Regierungsbeteiligung der Kommunisten einen Riegel vorzuschieben.

Polen: Aufruf zu "eiserner Disziplin"

Das gleichfalls neugewählte polnische Parlament hat inzwischen – entgegen anderslautenden Gerüchten in Warschau zuvor – den 70ährigen Henryk Jablonski erneut zum Staatsratsvorsitzenden bestimmt.

Tschad: Kein Friede trotz Waffenruhe

Der vereinbarte Waffenstillstand zwischen den sich nunmehr bekämpfenden Truppen von Staatspräsident Goukouni Oueddei und Verteidigungsminister Hissem Habre bedeutet kein Ende der Auseinandersetzungen, die sich in den letzten Wochen zu einem Kampf um die Hauptstadt N’djamena zugespitzt hatten.

Was fehlt unserer Universität?

Erich Bottlinger: Die stürmischen Tage der Hochschulen mit teach-ins, sit-ins, Demonstrationen, Streiks und Polizei-Einsätzen sind vorbei.

"Die Forschung wird stranguliert"

Noch wichtiger für die Forschung als finanzielle Mittel sind im Prinzip die Voraussetzungen, die Rahmenbedingungen und die Atmosphäre, in der geforscht wird.

"Oxbridge" – Modell für uns?

Die Engländer haben ihre Universitätsprobleme besser im Griff. Die Elite-Hochschulen Oxford und Cambridge kennen keine Wohnungsprobleme.

Frauen gegen Atomkraft: Gebärstreik

Etwa 5000 Frauen waren über die Ostertage dem Aufruf der Frauengruppe Lüchow-Dannenberg gefolgt, "ihren Widerstand gegen das Atomprogramm und die menschenfeindliche Industrie zum Ausdruck zu bringen".

"Zugabe, Zugabe!"

Leuchtreklamen – ein grelles Gewirr von nackten Mädchen, Kraftmännern und Sportlern – versprechen Erlebnisse, von denen auch der Kühnste nicht zu träumen wagt: Hamburger Dom, Frühjahrskirmes in der Hansestadt.

Fernseh-Zeit: Ab und zu noch was zu lachen

In der vorigen Woche berichtete Tele-Biß von einem Treffen der ARD-Intendanten am 1. April im Hotel Erbprinz in Ettlingen. In dem Bericht war davon die Rede, daß die Intendanten eine eigene Zeitung herauszugeben gedächten, in der die Presse aufs Korn genommen werden sollte.

Justiz: Neun Aufrechte

Ende Januar berichtete das Stader Tageblatt seinen Lesern: "Die Stader Verwaltungsrichter verklagen ihr eigenes Gericht." Das ist in der Geschichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit, die den Bürger vor Selbstherrlichkeit der Behörden schützen soll, noch nicht vorgekommen.

Gebietsreform: Schwarz gegen Rot

Bundesstraße 279 Bamberg–Bad Königshofen in Unterfranken. Die Fahrt geht durch dünn besiedeltes Gebiet, entlang der Grenze zur DDR.

Ein Triumphator wird besichtigt

Souvarine war einer der Gründer der französischen kommunistischen Partei und kam sehr jung in eine Schlüsselstellung im Sekretariat der Dritten Internationale.

Aktien - nein Danke

Für deutsche Bankiers und Börsianer ist wieder eine magische Zahl erreicht, eine Barriere, wie sie die Flieger in der Schallmauer sehen: die Zehn.

Urlaubsgeld wird knapp

Wie sich die Zeiten ändern: Es ist noch gar nicht lange her, da erregten die hohen deutschen Überschüsse im Zahlungsverkehr mit dem Ausland den Neid der Nachbarn.

BONNER KULISSE

Wenn der Bundesfinanzminister, wie es Hans Matthöfer jetzt getan hat, vom Gesetzgeber bereits beschlossene Ausgaben "sperrt", den betroffenen Ressorts mithin untersagt, die geplanten Mittel auch wirklich auszugeben, dann ist das einerseits eine ernste Angelegenheit – im konkreten Fall will Matthöfer durch die Sperrung von 1,8 Milliarden Mark detailliert benannter Ausgaben deutlich machen, daß er die in diesem Jahr noch zusätzlich kommenden Ausgaben (etwa zugunsten der bankrotten Türkei) nur durch die Streichung anderer Ausgaben finanzieren will.

Bundesfinanzen: Streit um den Steuerkuchen

Bundesfinanzminister Hans Matthöfer braucht 1981 mehr Geld, als er den Steuerzahlern abnehmen will. Noch mehr Schulden aufnehmen, als er ohnehin schon muß, geht auch ihm gegen den Strich.

Österreich: Tragen auf zwei Schultern

Die österreichischen Gewerkschafter stellen sich auf magere Zeiten ein: nicht mehr als zwei bis zweieinhalb Prozent Wirtschaftswachstum jährlich wird die Alpenrepublik nach Ansicht der meisten Fachleute in den nächsten Jahren erzielen können.

Fahrräder: Trügerischer Boom für Drahtesel

Mag es an den steigenden Benzinpreisen liegen oder an einem neuen Hang zur gesunden Lebensart – die Deutschen haben, aus welchen Gründen auch immer, ihre Liebe zum Fahrrad neu entdeckt.

ZEITRAFFER

Einen deutlichen Rückgang gab es im März bei der Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik. Sie verminderte sich um 11,7 Prozent auf 875 000 gegenüber dem Februar.

Auf der Gesundheitswelle: Wasser

Mineralwässer profitieren seit Jahren von der Gesundheitswelle. Sie werden sich um weiteren Zuwachs nicht sorgen müssen. Sorgen hegen indes die heimischen Brauer, deren Produkt seit 1975 nicht mehr der Spitzenreiter unter den "industriell" hergestellten Getränken ist.

MANAGER UND MÄRKTE

Dem gewerkschaftlichen Anliegen wolle er auch künftig dienen, versprach Ulrich Pagelsdorf, als er im vergangenen November per Rundschreiben den Mitarbeitern der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) sein Ausscheiden aus dem Geschäftsführenden Hauptvorstand mitteilte.

Umsteigen wurde zu teuer

Lennings: Zunächst muß man sagen, daß die Fernwärme energiepolitisch außerordentlich interessant ist. Ich glaube, daß etwa 20 Prozent des Niedrigtemperatur-Wärmebedarfs – also der Wärmebedarf der privaten Haushalte – innerhalb eines Jahrzehnts über Fernwärme gedeckt werden kann.

Erdgas: "So teuer wie Öl"

Ein Gespenst namens OGEC verunsichert Europas Energiepolitiker. Vorerst ist dieses Kürzel nicht mehr als ein Phantasiegebilde; denn eine – analog zur Opec gebildete – Organization of Gas Exporting Countries gibt es nicht – noch nicht.

Anlagenbau: Verkaufen, was man nicht hat

Sie handeln mit Stahl und Schrott, mit Küchen und Klosettschüsseln, mit Heizöl und Heizungen. Was für den Laien ein bißchen viel unter einem Dach ist, hat bei den großen Handelshäusern an der Ruhr Tradition.

Machtkampf in Schweinfurt

Güter Geschäftsgang und stattliche Gewinne waren das einzige, mit dem das alteingesessene Schweinfurter Großunternehmen Fichtel & Sachs von sich reden machte – bis vor gut vier Jahren.

Österreich: Hohngelächter für die Bankherren

Zu einer Operette geriet den österreichischen Bankdirektoren ihr Versuch, internationale Unsitten zu übernehmen und auf Gehalts- und Pensionskonten künftig mehr Gebühren zu erheben.

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