Allerdings gesteht er selbst ein, daß ihm die Opec-Länder dabei mit ihrer Preispolitik gehol-

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fen haben. Die Regierung von Alaska hatte der Alpetco nämlich für 24 Jahre 7,5 Millionen Tonnen Rohöl jährlich angeboten, davon ein Achtel zu Selbstkosten, den Rest zum Opec-Preis. Und dieses Achtel wurde, mit jedem Preissprung auf dem Weltmarkt wertvoller. Dabei sollte das Öl schon sechs Monate nach Baubeschluß für die Raffinerie zur Verfügung stehen, die Alpetco konnte also mit dem Öl während der Bauzeit Geschäfte machen.

Die um den Ausbau einer eigenen Raffinerie-Industrie bemühte Alaska-Regierung hatte allerdings ein Datum gesetzt: Bis zum 18. Dezember 1979 mußte alles perfekt sein. Eine Verlängerung der Frist um sechs Monate war möglich, aber das hätte bedeutet, daß auch das Öl erst sechs Monate später zur Verfügung gestellt worden wäre. Gschwend kannte den Zeitdruck, unter dem seine Verhandlungspartner standen. Und er war sich sicher: "Das kann außer uns keiner mehr." Am 9. Dezember kam ein Anruf aus Alaska, am darauffolgenden Freitag reisten die Texaner an (Gschwend: "Die kamen mit einem vollen Fußballklub.") Am 19. Dezember, einen Tag nach Ablauf des Alaska-"Ultimatums", teilte die Thyssen Handelsunion der Presse mit:

"Am südlichen Endpunkt der Trans-Alaska-Pipeline, im Ölhafen Valdez/Alaska, soll eine Raffinerie einschließlich petrochemischer Anlagen errichtet werden. Die Verarbeitungsleistung beträgt 150 000 Barrel Rohöl/Tag. Daraufhaben sich in diesen Tagen die Arbeitsgemeinschaft Thyssen Rheinstahl Technik GmbH, Düsseldorf/Foster Wheeler Energy Corp., Livingston, USA mit The Alpetco Co., Houston/Texas, geeinigt. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von vorvoraussichtlich 1,5 Milliarden US-Dollar."

Helmut Gschwend hatte seinen bisher größten Fisch an Land gezogen.