Von Gunter Hofmann

Als Königsmacher für Bonn haben sich die Düsseldorfer immer gefühlt, manchmal waren sie das auch. Wahlen in Nordrhein-Westfalen sind immer kleine Bundestagswahlen, ein Test für die wirtschaftliche Lage und die emotionale Grundverfassung der ganzen Republik.

Es gilt weniger für das ferne, kleine Saarland, das am 27. April wählt, wohl aber für die Wahlen im nahen, mächtigen Nordrhein-Westfalen am 11. Mai, daß sie noch mehr von bundespolitischen Interessen überlagert werden als sonst. Die Parteien haben am Wochenende die letzte Runde dieses noch müden Wahlkampfes eingeläutet, zugleich die erste für die Bundestagswahlen im Herbst.

Die Opposition in Düsseldorf, zuletzt auf 47,1 Prozent vorgerückt, ist ihrem Traumziel nach vierzehn Jahren sozial-liberaler Regierung vielleicht näher als je; zumal dann, wenn die Grünen gut abschneiden. Verlieren die Sozialliberalen Düsseldorf, ist Bonn kaum zu halten. Denn ein Wahlsieg der CDU und die dann vorhandene Zweidrittelmehrheit unionsregierter Länder im Bundesrat würde natürlich eine sozial-liberale Koalition im Bund lähmen. Strauß würde fünf Monate vor der Bundestagswahl zum Wahlsieger erklärt.

Strauß wegwählen – so suchen die Sozialliberalen ihre Anhänger zu mobilisieren. Rau wegwählen, schallt es aus der Union zurück. Jeder scheint sich eben die schwächste Stelle auszusuchen, hier die Bundespolitik, da die Landespolitik.

Selbst wenn die Düsseldorfer SPD/FDP-Koalition, heute leidlich konsolidiert, noch immer taufrisch blühte, wenn die Regierung vor Tatkraft strotzte, wenn Johannes Rau als Ministerpräsident zum Landesvater oder Volkshelden avanciert wäre, wenn er Brillanz ausstrahlte oder überhaupt viel Ausstrahlung hätte – für die Koalition wäre das nicht das Hauptthema. Nicht die Landespolitik beherrscht Kopf und Gemüt. Das gilt auch für Kurt Biedenkopf und macht seine Rolle noch schwieriger. Man kann wirklich nicht sagen, daß er der Alternative in Düsseldorf jenen Glanz verleiht, welcher der Regierungspolitik fehlt. Biedenkopf preist nicht eine eigene Politik, er prangert eine andere an.

Die Koalition macht die Not zur Tugend; die internationale Krise kommt dem entgegen – auf den Kanzler kommt es an, jetzt erst recht! Ist das Panikmache, wie Strauß zürnt? Das wird nicht der Dramatik der Ereignisse noch der Ernsthaftigkeit gerecht, mit welcher Schmidt an 1914 erinnert oder seine Sorge beschreibt, beide Weltmächte hätten zur Zeit "keine ausreichende Kriegsvermeidungsstrategie".