Von Dieter Piel

In die Gesichter kerben sich tiefe Sorgenfalten, doch die flinken Füllfederhalter in den Händen unterschreiben Bestellungen und Verträge zuhauf – fast scheint es so, als habe sich Schizophrenie eines großen Teils der deutschen Unternehmer bemächtigt. Fragt man sie nach ihren Erwartungen, so klingen ihre Antworten düster; der Blick in die Zukunft bereitet vielen von ihnen Unbehagen, doch zugleich kaufen sie Maschinen, mit denen sie in eben dieser Zukunft Geld zu verdienen trachten – so war es in diesen Tagen auf der Münchener Baumaschinen-Messe ("Bauma"), und so wird es nach aller Voraussicht auch auf der großen Messe in Hannover sein, die an diesem Mittwoch begonnen hat.

Die "Krise" der deutschen Wirtschaft, ihre "allenfalls stagnierende", wahrscheinlich aber sogar "rezessive" Entwicklung, die einige übellaunige Konjunkturpropheten – vor allem aus Kiel – seit nunmehr gut einem halben Jahr herbeizureden versuchen. Sie mag sich einfach nicht einstellen. Kaum eine Spur von Krise, und selbst auf mittlere Sicht "nur wenig Grund zur Besorgnis".

Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, der diese optimistischen Worte zwei Tage vor Beginn der Hannover-Messe aussprach, sagte das wahrscheinlich nicht nur, weil Seelenmassage zum Geschäft eines jeden Wirtschaftsministers gehört, sondern wohl auch, weil es selbst eingefleischten Pessimisten in diesen Wochen nicht leichtfällt, ihre Haltung zu begründen – es sei denn, sie verwiesen auf die ökonomischen Unwägbarkeiten etwa eines internationalen Handelskrieges oder noch schlimmerer weltpolitischer Auseinandersetzungen.

Der Bauwirtschaft könnte man, angesichts der für private Bauherren kaum mehr tragbaren Zinsen, noch am ehesten glauben, wenn sie eine düstere Zukunft an die Wand malt. Doch siehe da: Auf der schon erwähnten "Bauma" haben die Bauunternehmer Maschinen in einem solchen Ausmaße bestellt, daß es für die Aussteller eine rechte Freude war. Dabei hatten sie schon in den beiden vorangegangenen Jahren wie wild investiert – um jeweils rund 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die Aufträge reichen sowohl im Wohnungsbau als auch im Tiefbau derzeit für 3,3 Monate; bereits bei einem Drei-Monats-Polster spricht man in der Branche von vollausgelasteter Kapazität. Mehr noch: Im Januar (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) registrierte das Bauhauptgewerbe einen Auftragseingang von phantastischen 4,68 Milliarden Mark – das sind, Preissteigerungen mitgerechnet, 26 Prozent mehr als im Januar 1979. Dennoch behaupten die Sprecher der Branche, sie wickelten im wesentlichen nur noch frühere Aufträge ab und erwarteten eine stagnierende Bauproduktion für den kommenden Herbst – "das haben die", so Lambsdorffs sarkastischer Kommentar, "vor einem Jahr auch schon gesagt".

Immerhin: Daß die Bauwirtschaft ein schöneres Jahr hinter sich als vor sich hat, sollte man ihr wohl abnehmen. Eine Hochzinspolitik, wie sie die Bundesbank derzeit betreibt, trifft immer zuerst den Bau; auch die Reduzierung der Autobahnbaupläne wird sich auswirken. An dieser Entwicklung mag das eine oder andere Unternehmen zugrunde gehen – der Stand der Beschäftigung aber wird sich, so ein Sprecher der Bauindustrie, insgesamt nicht verschlechtern.