Vorbei an der allgemeinen Öffentlichkeit plant Postminister Kurt Gscheidle, das ohnedies schon übermächtige Herrschaftswissen der Bundesregierung noch mächtiger zu machen. Die Bonner Ministerien sollen ein eigenständiges digitales Kommunikationsnetz bekommen, das sie aus der Masse der Bundesbürger heraushebt.

Das Netz soll den Beamten über das normale Telephonieren hinaus nun auch Fernsprechkonferenzen, Bildfernsprechen, Bildfernsprech-Konferenzen und Datenübertragung möglich machen. Eine amtliche Ausschreibung forderte interessierte Firmen "mit überwiegendem Entwicklungs- und Fertigungsanteil" auf, sich zu bewerben.

Die Bewerbungsfrist – ist außerordentlich kurz: Anfang April erschien die Ausschreibung, bis zum 16. April mußten die Bewerbungen eingehen. Ministerialrat Franz Hiergeist, der die für das Ministerialnetz gegründete interministerielle Arbeitsgruppe leiten wird, weist allerdings jeden Verdacht von sich, die kurze Frist zwischen Ausschreibung und Bewerbungsschlußdatum lasse den Schluß zu, die Ausschreibung sei nur noch reine Formsache, weil die Post sich insgeheim schon für eine Firma entschieden hat.

Auffallend an dem nicht gerade alltäglichen Vorfall ist, daß die Pressestelle des Postministeriums von dem neuen Kommunikationsplan ihres Ministers keine Ahnung hatte.

*

Verteidigungsminister Hans Apel hat wieder einmal Gelegenheit, einem unbequemen Kritiker seines Hauses auf die Füße zu treten. Anlaß ist eine Dissertation von J. Bruno Köppl, die sich mit dem Problem des staatlichen Rüstungsmanagement am Beispiel des Kampfflugzeuges Tornado beschäftigt und den staatlichen Rüstungsmanagern eine nachgerade beispiellose Ineffizienz attestiert hat (siehe Beitrag in dieser Ausgabe auf Seite 19).

Da Köppls Arbeit für das Verteidigungsministerium alles andere als schmeichelhaft ist, Autor Köppl andererseits indirekt ein Angestellter des Bundes ist – er ist Mitarbeiter der bundeseigenen Industrieanlagen GmbH (IAB) in München – könnten die Bonner leicht geneigt sein, Köppl allerlei Knüppel zwischen die Beine zu werfen.