Von Rudolf Herlt

Vom 21. bis 26. April 1980 tagen in Hamburg Währungspolitiker aus 21 Ländern. Sie gehören dem beratenden Interimsausschuß des Gouverneursrats beim Internationalen Währungsfonds an. Dieser Ausschuß empfahl nach dem ersten Ölpreisschock 1974 wegen gravierender weltwirtschaftlicher Veränderungen eine allmähliche Reform des Weltwährungssystems. Die erste Phase wurde 1976 in Kingston, Jamaika, abgeschlossen. In Hamburg soll in der kommenden Woche die nächste Phase vorbereitet werden.

Die Minister und Notenbankpräsidenten, die in der nächsten Woche nach Hamburg kommen, sind in keiner beneidenswerten Lage. Von ihnen wird erwartet, daß sie den nichtkommunistischen Teil der Menschheit von schlimmen, vom Gelde ausgelösten Krankheiten befreien – von chronischer Inflation und Arbeitslosigkeit, von Handelshemmnissen und Devisenkontrollen, von umhervagabundierenden Dollarmassen, die auf ihrem Weg von Land zu Land die Lohn- und Preisdisziplin über den Haufen werfen.

Diese Krankheiten werden nämlich dadurch verschlimmert, daß es in der nichtkommunistischen Welt 140 souveräne Regierungen mit fast ebenso vielen Währungen gibt. Nur in einer guten Währungsordnung können die 140 miteinander leben und Handel treiben.

Seit die alte Ordnung im Frühjahr 1973 in einer Dollarschwemme ohnegleichen untergegangen ist, gibt es noch keine neue, die diesen Namen verdient. Was wir so nennen, ist allenfalls eine große Baustelle, Mit dem Neubau wurde 1974 der Interimsausschuß beauftragt. Ihm gehören Minister und Notenbankpräsidenten aus den USA, Großbritannien, Frankreich, der Bundesrepublik, Japan und Saudi-Arabien an, sowie 15 Vertreter ebenso vieler Ländergruppen, die von den übrigen 134 Mitgliedern des Fonds gebildet werden.

Der Ausschuß hat 1976 in Kingston (Jamaika) das Fundament für den Neubau gelegt. Danach sollte nicht mehr Gold der Maßstab für den Wert der Währungen sein, sondern das Kunstgeld des Fonds, die Sonderziehungsrechte. Sie sind praktisch Bezugsscheine auf harte Währungen. Auf Jamaika wurde auch für zulässig erklärt, was schon seit drei Jahren praktiziert wurde: frei schwankende Wechselkurse. Seither ist die Wahl zwischen festen oder frei schwankenden Wechselkursen den Mitgliedsländern überlassen. Seine Währungsreserven darf auch weiterhin jedes Land in Dollar und anderen Devisen, in Gold und in Sonderziehungsrechten halten.

Jede Währungsordnung ist nur so gut wie die Bereitschaft der Beteiligten, die vereinbarten Regeln einzuhalten. Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf werden sich Minister und Notenbankpräsidenten in Hamburg an den Konferenztisch setzen. Wohl wissend, daß sie nicht ein Ordnungsmodell theoretisch entwickeln und in einem Akt in Kraft setzen können, daß sie aber auch der Wirklichkeit meist hoffnungslos hinterherrennen und sie oft nur zur Kenntnis nehmen können, müssen sie in Hamburg den Versuch einer evolutionären Reform fortführen.