Von Barbara v. Jhering

New York

Irgend etwas stimmt nicht an den Frauen, die derzeit die Bewerber um die amerikanische Präsidentschaft im Wahlkampf unterstützen. Obwohl Rosalynn Carter, Nancy Reagan und Joan Kennedy – um bei den Frauen der tatsächlichen oder publizistischen Favoriten zu bleiben – nach außen ganz der amerikanischen Tradition gehorchen, stimmen Image und Wirklichkeit nicht mehr recht überein.

Früher war alles einfacher: Neben oder einen halben. Schritt hinter dem Kandidaten, der zu seinen Anhängern sprach oder mit Wählern im Supermarkt auf Tuchfühlung ging, stand seine Frau händeschüttelnd, ein gefrorenes Lächeln um den Mund. Sie sagte wenig, aber sie war dabei – Beweis genug, daß der Kandidat nicht nur Politiker, sondern auch ein guter Ehemann war.

Seit die Verwandtschaft aber zunehmend allein auf Wahlreise geht, was von der Verknappung der Wahlkampfmittel und der Größe des zu bearbeitenden Gebiets diktiert wird, stellen mehr und mehr Wähler die Frage nach der Qualifikation dieser persönlichen Emissäre. Und 1980 kommt ein Unbehagen hinzu, daß sowohl Carter als auch Kennedy in einem Maß auf ihre Frauen angewiesen sind, das nicht verfassungsgewollt erscheint.

Die Frau als Dekoration, Steigbügelhalter und Claqueuse gehört zum amerikanischen Wahlalltag seit den frühesten Tagen der Republik. Von John Adams, dem Nachfolger George Washingtons, wird berichtet, er habe seine Frau per Kutsche über Land geschickt, damit sie um Unterstützung werben und ihm von den Sorgen der Bürger berichten könne.

Seitdem wählen die Amerikaner immer auch die Familie ihres Staatsoberhaupts. In einem auch tischen System, in dem die Partei nur wenig Einfluß auf ihren Kandidaten hat, wenn er erst einmal im Weißen Haus sitzt, sieht das Wahlvolk genauer auf die Persönlichkeit des Bewerbers – und auf die Menschen, mit denen er lebt. Man will wissen, wer um den Familientisch sitzt, an dem der Präsident das politische Tagesgeschehen bespricht.