Hervorragend

Béla Bartók: "Konzert für Orchester". Wer Ohren hat zu hören, hat es schnell gemerkt, daß die neue Digital-Technik nicht nur das alte Bandrauschen aus den Platten heraushält. Eine Reihe guter Tonmeister hat auch mit der Mikrophon-Aufstellung und der Mischung der Kanäle so virtuos spielend umzugehen gelernt, daß die endgültigen Klangereignisse im Lautsprecher nur noch verblüffen. Für eines allerdings sind sie selber immer noch nicht zuständig: die künstlerische Qualität. Eine dieser außergewöhnlichen Platten kommt aus der Soundstream-Küche: Bartók nicht nur als kompakt-aggressiver Akkordfolge-Brocken, sondern aufgesplittert in Schichten und Blöcke, in Linien und Felder, in rhythmische Folgen und dynamische Proportionen. Eugene Ormandy, der sich wohl noch am besten auf die fast schizophrene, das Brutale mit der Lyrik, das Schmerzenwollen mit dem Zärtlichen vermengende Musik versteht, hat hier mit seinem ihm über Jahrzehnte folgenden Philadelphia Orchestra Bartóks Letztwerk in einer der intensivsten und ausdrucksvollsten Interpretationen aufnehmen können. (RCA RL 13 421)

Heinz Josef Herbort

Jacques Loussier: "Pulsion". Es pulst in diesen acht überaus reizvollen Jazz-Charakterstücken ziemlich heftig. Ihnen allen ist ein eigenartig von Synkopen aufgerissener Rhythmus eigen, der vom Pianisten Loussier eingeführt, aber von seinem gleichermaßen disziplinierten wie inspirierten Schlagzeuger Luc Heller mit prononciert stumpfen, mit Schlagbesenstreichen aufgehellten Schlägen getrommelt wird. Loussier feiert mit dieser musikalisch ungewöhnlich ergiebigen,lustvoll enervierenden Platte zugleich seine zwanzigjährige, mit "Play Bach" begonnene, sehr konsequent und einfallsreich durchgestandene Karriere. Er hat sich längst von den alten Meistern emanzipiert; Titel wie "Mozart" und "Ludwig" sind nur noch Hommages eines Musikanten, der Geschmack und Witz hat (CBS 84 078)

Manfred Sack