An Komplimenten aus Hollywood hat es in den letzten Jahren wahrlich nicht gefehlt. "Das wichtigste Filmland der Welt" nannte Francis Coppola ("Apocalypse Now") die Bundesrepublik und lud auch gleich die Regisseure Wim Wenders, Hans-Jürgen Syberberg und Werner Herzog zur Arbeit in Kalifornien ein. Viele Jahre lang hatte man in den Vereinigten Staaten das deutsche Kino überhaupt nicht beachtet, jetzt erfreut es sich unversehens einer fast schon unheimlichen Wertschätzung: Susan Sontag widmete, in der New York Times, Syberbergs "Hitler-Film einen großen Essay. Den Faßbinder-Star Hanna Schygulla verglichen amerikanische Kritiker mit Marlene Dietrich.

Am Montag dieser Woche indessen wurde dem deutschen Film eine Ehrung zuteil, wie es sie seit über fünfzig Jahren nicht mehr gegeben hat: In Los Angeles zeichnete die amerikanische Film-Akademie Volker Schlöndorffs Günter-Grass-Verfilmung "Die Blechtrommel" mit einem Oscar als besten ausländischen Film des Jahres 1979 aus. So kommt der rebellische, zwergenwüchsige Trommler Oskar Matzerath zu einem Triumph, wie ihn zuletzt der Schauspieler Emil Jannings vor 52 Jahren erlebte: Mit der vergoldeten Statuette namens Oscar (offiziell heißen die nicht sehr geschmackvoll gestalteten Trophäen Academy Awards) wird auch und zumal ein wichtiger Teil der deutschen Kultur der Gegenwart geehrt. Seit den Tagen von Weimar war der deutsche Film nicht mehr so reich an Talenten und Ausdrucksformen. Das hat man (nicht nur) in Hollywood gemerkt.

Der künstlerische Rang der amerikanischen Oscars war stets umstritten. Längst nicht immer machen die besten Filme das Rennen. Aber mit diesem, dem berühmtesten aller Filmpreise, ist eine spezielle Magie verbunden: eine Art von überlebensgroßem Glamour, der alle Kompromisse und Fehlentscheidungen der Akademie überstrahlt. Und ein bißchen von diesem schönen, falschen Glanz darf sich das sonst so ernsthafte deutsche Kino gerne gefallen lassen. HCB