Die Frischzellentherapie ist höchstwahrscheinlich Humbug und sogar gefährlich. Zu diesem Schluß kommen die Schweizer Professoren Urs Meyer und Peter Waser in einer Untersuchung, die sie im Auftrag der Züricher Gesundheitsbehörde durchführten. Bei der Frischzellentherapie injizieren Ärzte den Patienten heute vor allem gefriergetrocknete Zellen aus dem Gewebe ungeborener oder sehr junger Tiere – ein Verfahren, das gegen praktisch alles, was in der Schulmedizin nicht heilbar ist, eingesetzt wird (und das sich die spritzenden Ärzte gut bezahlen lassen). Dem Fachblatt Medical Tribune zufolge hat die Zelltherapie in Deutschland "eine erstaunliche Verbreitung gefunden": "Es ist die Rede von 1200 Ärzten, die regelmäßig, sowie von 5000 Kollegen, die gelegentlich zerquetschtes Gewebe durch Kanülen ziehen". Da bis heute keine über die Plazebowirkung hinausgehende vorteilhafte Wirkung nachgewiesen wurde, wollen Meyer und Waser dieses "im Erfolg zweifelhafte Verfahren" in das Gebiet der "Paramedizin" oder "Außenseitertherapie" abgeschoben sehen. Mehr noch: "Es gibt eindeutige, zum Teil lebensgefährliche Nebenwirkungen der – Zelltherapie" – etwa Immunreaktionen. "Die Durchführung einer Zelltherapie fordert von den betroffenen Patienten... erhebliche finanzielle Mittel und erweckt bis jetzt unbegründete Hoffnungen."

Die veränderliche Sonne beschäftigt zum gegenwärtigen Höhepunkt des elfjährigen Sonnenfleckenzyklus die Astronomen wie selten zuvor (siehe die beiden letzten Wissenschaftsseiten der ZEIT). Letztes Jahr erregte der Amerikaner John Eddy mit seinen Berechnungen Aufsehen, wonach die Sonne zwischen 1836 und 1953 um rund 1500 Kilometer geschrumpft sein soll. Nun berichtet sein Landsmann Irwin Shapiro im amerikanischen Wissenschaftsmagazin Science, daß er eine viel geringere Schrumpfung errechnete – nämlich nur 210 Kilometer. Shapiro analysierte Beobachtungen von 23 sogenannten Merkur-Durchgängen, die zwischen 1736 und 1973 gemacht worden waren: Etwa 13mal in jedem Jahrhundert wandert der innerste Planet Merkur in rund fünf Stunden – von der Erde aus gesehen – als kleiner schwarzer Punkt über die Sonnenscheibe und erlaubt dabei den Astronomen äußerst präzise Messungen. Ein Kollege Shapiros, der Nasa-Astronom Sabatino Sofia, erzielte zusammen mit seinen Mitarbeitern freilich ein Resultat, das zwischen Eddys und Shapiros Daten liegt: Sofia errechnete beim Vergleich der totalen Sonnenfinsternisse von 1715 (über England) und 1979 (über den USA) eine Schrumpfung von 700 Kilometern. – Mit Veränderungen der Sonne in viel fernerer Vergangenheit beschäftigt sich Professor Edward Geyer von der Sternwarte der Universität Bonn in Daun (Eifel). In einem noch nicht veröffentlichten Beitrag für die Naturwissenschaften beschreibt er, daß die Sonne einst wesentlich aktiver gewesen sein mußte, weil sie sich nach ihrer Entstehung vor rund fünf Milliarden Jahren viel schneller drehte. Die rasche Rotation, etwa einmal pro Tag um die eigene Achse (heute: gut 25 Tage), wurde durch die "magnetische Bremse" des davongeschleuderten Sonnenwindes bis auf den heutigen Wert abgeschwächt. Geyer glaubt, daß die von der unruhigeren Sonne ausgehende Strahlung das entstehende Leben auf der Erde bis vor etwa zweieinhalb Milliarden Jahren nur unter schützenden Wassermassen und in Mikrobengröße zuließ. Erst danach konnten sich höhere Lebensformen (Einzeller mit Zellkern) bilden. Vor etwa 600 Millionen Jahren lag dann die solare Aktivität nur noch 50 Prozent höher als heute. Außerdem hatte sich die Ozonschicht der Erdatmosphäre dank der Sauerstoffproduktion der Algen voll ausgebildet. Deshalb ging der Anteil der – dank Sonneneinwirkung in der Lufthülle erzeugten – radioaktiven Isotopen Kohlenstoff-14 und Tritium (dreiwertiger Wasserstoff) im biologischen Kreislauf weit genug zurück, um auch komplexe mehrzellige Lebewesen zu ermöglichen. Nur 150 Millionen Jahre später, im Silur, eroberte schließlich das Leben das feste Land, das zuvor eine Strahlenhölle unter unruhiger Sonne war. GH

Gras wächst langsamer, wenn es bei schlechter Beleuchtung schon geringen Schwefeldioxidmengen in der Luft ausgesetzt ist. Über diese erstmals wissenschaftlich bestätigte Auswirkung von Lichtverhältnissen und Umweltverschmutzung auf das Pflanzenwachstum berichtete kürzlich die englische Biologin Teresa Davies in der britischen Fachzeitschrift Nature. Schwefeldioxid ist ein Verbrennungsprodukt, von dem allein in Großbritannien jährlich knapp sechs Millionen Tonnen in die Luft gepustet werden. Bislang nahmen Forscher an, daß erst hohe Schwefeldioxid-Dosen den Gewächsen schaden. Teresa Davies ließ gewöhnliches Weidegras fünf Wochen lang in durchsichtigen Behältern wachsen, in die sie jeweils saubere oder mit verschieden hohen Schwefeldioxid-Dosen verunreinigte Luft blies. Einige Grasbehälter erhielten soviel Licht wie im Mittsommer, andere nur soviel wie an Wintertagen. Während die Pflanzen im Sommerlicht mit oder ohne Schwefeldioxid gleich gut wuchsen, zeigten die Gewächse im Winterlicht erhebliche Zuwachs-Unterschiede: "Pflanzen scheinen im Winter empfindlicher auf Schwefeldioxid zu reagieren", schreibt Davies – also in jener Zeit, in der "auch die Schmutzkonzentrationen am größten sind".