Von Monika Putschögl-Wild

Bei mir bist du schön", die Verstärker dröhnen überlaut, eine Band von fünf jungen Leuten müht sich redlich um das alte jiddische Lied. Hüpfend schiebt sich eine Hochzeitsgesellschaft zwischen die Tische und eine resolute blaugewandete Serviererin mit Fleischspießen durch das Disko-Gewirr. Feierabendstimmung im "Usbekistan", einem der wenigen akzeptablen Restaurants im kargen Moskauer Nachtleben.

Zum Dessert gibt es das unvermeidliche Eis und zum Tanzen von der Kapelle "Feelings". Die Küchenbrigade hat längst Soll und Übersoll vergessen, Genossin Koch wiegt die breiten Hüften im Takt. Kurz vor 23 Uhr "One way ticket" und der letzte Krug Passionsfruchtsaft, die Damen in Blau sitzen bereits an ihren altertümlichen Rechenmaschinchen. Eine Stunde vor Mitternacht wird die Halle dunkel. Greise Garderobiers helfen galant und gratis in den Mantel.

"Bis zwei Uhr werden die Restaurants während der Olympischen Spiele offen haben", verspricht Alexandre Besedin, Vizepräsident der Organisation Intourist, die für das touristische Programm während der XXII. Spiele zuständig ist.

Moskau ist bereit. Die Sportstätten sind gemacht und die Betten auch. Nur, ob die Besucher kommen, weiß so recht niemand.

"Sport hat nichts mit Politik zu tun", heißt die offizielle Lesart. "Wir hoffen, daß die Amerikaner kommen", sagt der Busfahrer, sagt die Eugenfrau. Wenn von Boykott, wenn von Zu- und Absagen die Rede ist, verweist man offiziell allenthalben lieber darauf, daß nur drei Länder ab-, aber schon 105 Länder zugesagt haben. Das ’No‘ der USA liegt vor, auf Endgültiges aus den EG-Staaten wartet man noch.

Der Glaube an Olympia ist an der Moskwa ungebrochen. "Wir haben das Recht auf Olympische Spiele", beharrt Herman Vladimirov vom Organisationskomitee und will sich seine Spiele von den Stimmungen einzelner Staatsmänner nicht kaputt machen lassen. Die Boykottdrohung sei überdies nicht überraschend gekommen: "Wenn nicht Afghanistan, dann wäre es etwas anderes gewesen."