Sehenswert

"Letzte Liebe" von Ingemo Engström. Ein Film über einen Zusammenhang von Liebe und Tod, der anders ist als "Bis daß der Tod uns scheidet": Wenn die Liebe zueinander wichtiger als das Leben ist, dann ist der gemeinsame, freiwillige Tod eine Möglichkeit, diese Liebe zu bewahren. Und wenn das Leben unaufhaltsam abstirbt, dann ist der Tod ein Versuch, sich das Leben zu bewahren. Ein Film also über eine amour fou – zwischen einer jungen Ärztin (Angela Winkler) und einem ehemaligen Lehrer (Rüdiger Vogler). Sie, Tochter deutscher Juden, die nach Frankreich emigriert waren, kehrt eines Tages nach Deutschland zurück: Ihrer äußeren Realität (dem Leben in Frankreich) entflieht sie in eine innere Vergangenheit (die Erinnerung an ihre Kindheit). Der Lehrer hat eines Tages seine Schüler einfach allein auf einem Bahnhof zurückgelassen: "Ich bin froh, niemandem etwas beibringen zu müssen." Die Schauplätze dieses "Liebes- und Todesfilms" (wie Ingemo Engström Jacques Rivettes "L’amour fou" nannte): der Rhein, da, wo er nicht romantisch ist, sondern produktiv: schmutzige Ufer, chemische Fabriken, Atomkraftwerke und hoffnungslose Traurigkeit. Schäbige Hotelzimmer in miesen Absteigen; der Blick auf Industrievororte, in denen man nur sterben, aber nicht leben kann. Ein Film von einer trostlosen Schönheit: die Landschaften in einem kälten Licht, oft Blicke aus Fenstern, immer gerade jenen Moment lange genug unverstellt von handelnden Personen, der ausreicht, sich darüber klar zu werden, daß man Bilder sieht und sich manchmal fragt, wo man sie schon einmal gesehen hat. Norbert Jochum

Beachtlich

"Panische Zeiten" von Udo Lindenberg und Peter Fratzscher. Alle Atomkraftwerke werden abgeschaltet, Peggy Parnass wird Justiz-Ministerin, und für die Sekretärin des neuen Bundeskanzlers ist der amerikanische Präsident schlicht "die süße Maus im Weißen Haus". Der neue Kanzler heißt natürlich Udo Lindenberg. Doch bevor es so weit kommt, entführt ihn ein sinistrer Dr. K. und will ihn zu Propagandadiensten für das Bonner Establishment pressen. Udos Panik-Familie heuert einen Privatdetektiv namens Carl Coolman an (Bogart aus Altona), und der streunt, auf der Suche nach dem Sänger, durch die Szene der Flippies und Spontis, kommt schließlich jenen "Kontrolettis" auf die Spur, die alle miteinander unser "geiles Grundgesetz" aushöhlen. Auch Günter Netzer und der verwitterte Lemmy Caution alias Eddie Constantine stellen sich in den Dienst der guten Sache. In seinem ersten Kinofilm hat Udo Lindenberg ein in mehrfacher Hinsicht bunten Chaos angerichtet: eine überwiegend vergnügliche, überraschungsreiche Mischung aus politischer Satire, James-Bond-Phantasien und surrealen Verrücktheiten in der Tradition von Richard Lesters Beatles-Film "Help!". In seiner Doppelrolle als Rockidol und als Schmalspur-Schnüffler artikuliert Lindenberg lässig das Lebensgefühl der grünen und der bunten Aussteiger, ihr Mißtrauen gegenüber dem Atom- und dem Überwachungsstaat, aber auch ihre spielerischen Neigungen. Udos "message" ("für totale Demokratie und Grundgesetz") drängt sich selten in den Vordergrund. Tiefer als die eines Edmund Stoiber ist seine politische Philosophie allemal. Seinen (in der ersten halben Stunde leider etwas unbeholfenen) Charme bezieht der Film aus seiner Respektlosigkeit Konventionen gegenüber. Lindenberg ist ein intelligenter Exzentriker. In den Szenen mit Detektiv Coolman (den besten des Films) gelingen ihm und seinem Co-Regisseur Peter Fratzscher (von der Münchner Filmhochschule) schöne Momente der Parodie und der Hommage an die Schwarze Serie: mit Leata Galloway als sinnlich selbstbewußter Vorzimmer-Dame, die auch Howard Hawks nicht kaltgelassen hätte. Manches ist eher albern, auf fade Kabaret-Scherze wie "Bonn-Wahnwitz" hätte man verzichten können, aber den Spaß an diesem ganz unroutiniert inszenierten Zwei-Millionen-Film (ohne Fernseh-Beteiligung) verliert man dennoch nicht, Hans C. Blumenberg

Empfehlenswerte Filme

"La Luna" von Bernardo Bertolucci. "Die Traumfrau" von Blake Edwards (siehe Seite 46). "Monarch" von Flütsch-Stelzer. "Fabian" von Wolf Gremm. "Wer hat Tante Ruth angezündet?" von Curtis Harrington. "Der elektrische Reiter" von Sidney Pollack. "Palermo oder Wolfsburg" von Werner Schroeter. "Solo Sunny" von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase. "Vier irre Typen" von Peter Yates. "Kleine Fluchten" von Yves Yersin.