Naturschützer verhinderten bislang die Erweiterung des Hamburger Flughafens Fuhlsbüttel. In der Hansestadt sorgt man sich darob, das Flugfeld könne nun vollends zur Provinzpiste verkümmern. Einen Beitrag in diese Richtung hat die Flughafen-Gesellschaft nun selbst geleistet, mit einem neuen Passagiergebäude, das den Passagieren mehr Hindernis ist als Nutzen bringt.

Deutschlands Flughafenbauer sind in der Welt gesuchte Spezialisten, sie errichten Terminals in fast allen Erdteilen, nachdem ihre Vorzeigestücke in Hannover, Köln und Düsseldorf viel Applaus fanden. Die Experten waren offensichtlich im Ausland, als es .galt, Hamburgs neue Inlandsflughalle zu konzipieren. Der notwendige Neubau, fast 25 Millionen Mark teuer, wird von der Flughafengesellschaft pflichtgemäß gelobt.

Auch die lokale Welt stieß anfangs mit ins Jubelhorn und behauptete per Schlagzeile, Hamburg habe so "endlich Großstadtniveau" erreicht. Das Blatt rückt jetzt aber von dem Lob kräftig ab und reiht sich ein in den Chor der Kritiker.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen den Ankunftsbereich und die Außenanlagen. Die Ankunftshalle im Tiefgeschoß des Flughafens verdient ein Lob: Statt der obrigkeitsfreudigen Sichtblenden, die ansonsten meist Ankommende und Abholer optisch separieren, sind hier Glaswände eingezogen. Damit allerdings erschöpft sich das Lob, ansonsten bleibt die Frage, welches Konzept hier Pate gestanden habe für den Bau.

Welches auch immer, gewiß nicht das einer passagierfreundlichen Anlage. Man mag die arg eng geratene Schleuse des (in Hamburg nur selten geforderten) Zolls noch hinnehmen. Aber geradezu schildbürgerhaft erscheint, was den Passagieren beim Verlassen des Gebäudes zugemutet wird: Er tritt in eine Art betoniertes Erdloch (das gerade begrünt wird) und blickt auf eine Treppe nebst Rolltreppe, die zur Straße hinaufführt.

Da steht er nun mit seinem Gepäck und seinem Gepäckkarren, sofern er eines der raren Exemplare erwischt hat. Das darf er aber nicht auf die Rolltreppe fahren, denn diese ist für die Wagen so wenig geeignet, wie jene für die Rolltreppe. Frankfurt bietet seinen Gästen bereits seit Jahren diesen Service, aber Hamburg glaubte darauf verzichten zu können. Soll die Oma doch sehen, wie sie ihren Kram ans Tageslicht schleppt...

Auf Nachfrage räumte die Flughafengesellschaft ihr Eigenlob ab: Jetzt sollen doch rolltreppengängige Wagen angeschafft werden, hieß es. Aber ein Dach wird den Ankömmlingen über der Treppe nicht spendiert werden. Sollen sie doch das nicht gerade regenarme Hamburg gleich richtig kennenlernen, die "Paxe". Außerdem können sie sich ja ein paar Meter weiter wieder unterstellen, an der Bushaltestelle. Die wurde überdacht. Aber zehn Meter daneben ließen "architektonische Gründe" solch ein Dach nicht zu – an einem Bauwerk, das den Charme eines zeitgenössischen Bürobunkers verströmt.