Lieber John,

hier gratuliert also der 74jährige dem jetzt Achtzigjährigen. Dabei gebe ich mich keinen Täuschungen hin: In den Augen unserer jungen Freunde und Mitarbeiter sind wir steinalt, sind Überbleibsel, werden gerade noch wahrgenommen. Die Jungen sind erstaunt, eigentlich ärgerlich, wenn wir von der Zeit reden, in der das Haus gebaut wurde, in dem sie sich heute mit graziöser Unbefangenheit bewegen. Der Ruhm, John, ist kalte Asche für die Generation von heute.

Deshalb darfst Du Dich aber all dessen erinnern, was Du geschaffen hast. Natürlich: Auch Dir ist nicht alles geglückt; nicht alles, was Du getan hast und tust, gefällt allen. Aber es bleibt viel; genug, daß Du darauf stolz sein kannst. Und noch heute möchten wir – etwa im Aufsichtsrat von Gruner + Jahr – Deine Stimme nicht entbehren. Sie ist leiser geworden, oft zögernd. – Vorsichtig warst Du immer. Du hast eine Spielbank; bist aber kein Spieler. Du willst bewahren, was Du Dir und den Deinen erarbeitet hast – und den Mitarbeitern; das sollten wir – bei aller Mitbestimmung – nicht vergessen. Wir schulden Dir Dank dafür.

Herzlichst Dein Buc

Der Verleger John Jahr gründete 1969 zusummen mit Gerd Bucerius und dem Großdrucker Richard Gruner den Verlag Gruner + Jahr.