Havanna will alle 10 800 Kubaner, die sich in die peruanische Botschaft geflüchtet haben, ausreisen lassen – wenn sie von anderen Staaten aufgenommen werden.

Bis zum Dienstag wären erst rund . 300 Asylsuchende nach Peru ausgeflogen; weitere 700 sollen folgen. Die Vereinigten Staaten wollen 3500 aufnehmen, Spanien 500, Costa Rica 500. Für die anderen werden noch Gastländer gesucht; die mit Peru Verbundenen Andenpaktländer haben bereits abgewinkt: Sie wollen ihre Beziehungen zu Havanna nicht belasten.

Zur Ablenkung von der politischen Schlappe propagiert die Regierung wieder einmal eine bevorstehende Invasion der Nordamerikaner. Anfang Mai veranstaltet Washington vor Kuba und auf dem Stützpunkt Guantanamo ein Großmanöver, das frühzeitig angemeldet wurde. Castro schürt dennoch die Invasionsfurcht, zumal Exil-Kubaner bereits zum Kreuzzug aufrufen und Republikaner wieder, die totale Blockade fordern. Präsident Carter hat ebenfalls mehrfach angedeutet, daß als Vergeltung für Afghanistan neuerlich Druck auf Kuba denkbar sei.

Diese Aussicht paßt den Lateinamerikanern nicht ins Konzept. Der mexikanische Präsident Lopez Portillo hat demonstrativ seinen Staatsbesuch in Havanna vorverlegt; die Andenpaktstaaten haben das Asylanten-Problem ausdrücklich als innerkubanische Angelegenheit bezeichnet. Fidel Castro hat zwar wenige Freunde auf dem Halbkontinent, aber auch keine Feinde; gerade weil der Umsturz in Nicaragua und die Unruhen in El Salvador den Gedanken an eine ausländische Einmischung nahelegen, darf Castro in dieser Frage auf Solidarität bauen.

Inzwischen schaffen die Gegendemonstrationen vor der peruanischen Botschaft neue Probleme. Havannas Verzögerungstaktik – es rechnet mit Wochen, bis alle Flüchtlinge abtransportiert sind – und die Bereitschaft der Demonstranten zur Gewalttätigkeit, heizen die allgemeine Unruhe an, die Polizei und Militär seit Wochen mit aller Gewalt unterdrücken.

H. B.