Berlin: "Alte und Neue Kunst – Auktion Gerda

Was diesmal an alter Graphik angeboten wird, ist nicht ganz so üppig wie gewohnt: Das Material scheint schon wieder knapp zu werden. Von Dürer und Rembrandt fehlen die Spitzenblätter, von Peter Brueghel werden immerhin zwei wichtige Kupferstiche versteigert, und die törichten Jungfrauen" (Schätzpreis 2800 Mark) und für 5500 Mark) "Invidia" am der Folge der "Sieben Laster". Sehr gut vertreten ist Callot, mit Einzelblättern und der kompletten Folge "Les Miseres et les Mal-Heurs de la guerre" von 1633 (14 500 Mark). Eine Rarität auf dem deutschen Kunstmarkt und ein wichtiges Dokument für die englische Geschichte bedeutet die Folge von 26 kolorierten Holzschnitten der englischen Könige von Wilhelm dem Eroberer bis zum Regierungsantritt von King James 1603, ein Terminus post quem für die Holzschnitte, die auf 75 000 Mark geschätzt sind. Wer sich für deutsche Zeichnungen des 17. und 18. Jahrhunderts interessiert, sei auf Künstler wie Georg Kopp ("Die Madonna auf Wolken über einer Landschaft", grau lavierte Federzeichnung, 1800 Mark), auf Baumgartner, Bergmüller ("Minerva als Beschützerin der Künste", Entwurf für ein Deckengemälde, 2400 Mark) und Oeser (die weißgehöhte Rötelzeichnung eines Mädchenkopfs, 750 Mark) hingewiesen. Aus der italienischen Druckgraphik des 18. Jahrhunderts sind die Capricci von Piranesi und der Prospectus Magni Canalis Venetiarum von Canaletto, mit 38 Radierungen eines der schönsten Ansichtenwerke Venedigs (20 000 Mark), hervorzuheben. In der Modernen Abteilung findet man Arbeiten von Berliner Künstlern wie Liebermann, Hofer, Werner Heldt, Ernst Wilhelm Nay (mit Zeichnungen aus den Berliner Jahren) und Schmidt-Rottluff. Das Glanzstück der Abteilung kommt aus Worpswede und ist auf 60 000 Mark taxiert: eine Landschaft von Paula. Modersohn-Becker, datiert 1900. (Galerie Gerda Bassenge, Versteigerung 23. und 24. April, Katalog 20 Mark) Gottfried Sello

Mannheim: "Franz Bernhard

Die kühnsten Stücke stehen frei im Raum. Andere liegen auf dem Boden, lehnen oder hängen an den Wänden. Man kann diese Ausstellung als Versammlung einfacher, eindrücklicher Gesten erleben. "Figuren" nennt Franz Bernhard seine Plastiken. Was "Figur" assoziiert, scheinen die Titel beschreiben zu wollen: "Die Geschmeidige", "Büste" "Rumpf mit Drehung", Auch die Zeichnungen, die in Ergänzung, nicht eigentlich als Vorstufen zum plastischen Werk entstehen, handeln vielfach vom menschlichen Körper, von Körperstellungen. Aber ein "Menschenbild" ergibt sich aus alledem noch nicht. "Figuren" sind Bernhards Plastiken nur insofern, als sie auf menschliches Maß hin eingerichtet sind. "Figur" ist nicht Thema, sondern Bezugsgröße. Die anthropomorphen Verweise sind etwas verlegene Zutat, die mehr dem Charakter oder Ausdruck des einzelnen plastischen Beispiels gilt als seiner Herkunft. Jedenfalls arbeitet Bernhard nicht nach einem Gestaltplan, schon gar nicht nach Reduktionsprinzipien, die menschliche Proportionalität in eine Grammatik aus prallen Volumina, eleganten Kurven, spitzen Winkeln und sicherer Balance zu überführen hätten. Bernhards "Figuren" sind autonom. Form, mithin Figürlichkeit, entsteht in diesem Werk aus dem Umgang mit dem Material: Holz und Eisen – vernagelt, gefugt, verschweißt. Die Übergänge setzen wohl Akzente, aber stören den Fluß der Silhouetten kaum. Beständig in diesem Werk jedoch Ist das Handwerkliche, Gemachte, mit bäuerlichen Gerätschaften zu versuchen. Aber die ausgespielte Dinglichkeit beschwört nicht eine Ästhetik urtümlicher Instrumente; sie macht nur deutlich, daß sich Bernhard, lieber noch als Hersteller denn als Darsteller versteht. (Kunsthalle Mannheim bis 20. April, Katalog 10 Mark)

Hans-Joachim Müller

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: Stilleben in Europa" (Kunsthille bis 16. Juni, Katalog 30 Mark)