Nach kargen Zeiten die Vorzüge des leuchtenden Kolorits wieder entdeckt

Es kriselt in der Münchner Maximilianstraße. Eine Galerie, vergrätzt durch die mangelnde Politesse einer anderen, hat die Interessengemeinschaft bereits verlassen, andere sind zumindest nicht glücklich über die Art des Umgangs miteinander. Das "Modell Maximilianstraße", vor einem halben Jahrzehnt vorgestellt, das nicht zuletzt in der alljährlichen Gemeinschaftsausstellung sichtbar sein sollte, hat augenscheinlich an Glanz verloren.

Der Katalog der gemeinsamen Ausstellung, der bislang als wichtiges Mittel der Werbung nach außen galt, spiegelt die veränderte Situation auf drastische Weise. Er enthält diesmal kein Vorwort, keine Einleitung, die über das Thema – es heißt: "Farbe" – informierte, die Anzahl der Seiten, die jeder Galerie zur Verfügung stehen, wurde halbiert.

Man malt wieder. Die jüngeren Künstler vor allem, unbefriedigt von der unmalerischen Fastenkost, die Konzept- und Minimalkunst anboten, haben die Vorzüge des leuchtenden Kolorits wiederentdeckt – sie knüpfen an die Tradition des Abstrakten Expressionismus, der Farbfeldmalerei, gewisser figurativer Strömungen wie "Cobra" ihre Zukunftshoffnungen. So gesehen, bot das Thema "Farbe" sich geradezu an. Nur haben die Galerien nicht sehr viel daraus gemacht, einige wenigstens haben den Ehrgeiz aufgegeben, durch ihren Beitrag das Ganze voller zu orchestrieren. Zu offensichtlich wurden sowieso geplante, einigermaßen passende Ausstellungen auf diesen Termin gelegt, hat da und dort Verlegenheit Regie geführt.

Mit Adolf Hölzel (Gunzenhauser), Johannes Itten und Josef Albers (beide bei Thomas) kommen Maler ins Blickfeld, die nicht mit, sondern aus der Farbe gestaltet haben, Maler, die zudem ganz konkret etwas zum Thema zu sagen hatten. Hölzel war Professor an der Stuttgarter Kunstakademie, einer seiner Schüler Itten, der später am Bauhaus in Weimar den Vorkurs leitete und den dann Albers übernahm – alle drei also unterrichteten und haben sich dabei Gedanken gemacht über die Theorie der Farbe. Ihr Werk ist in unterschiedlichem Maße, in jedem Fall aber unverkennbar, geprägt durch die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen der Farbe.

Hölzel, einer der Pioniere der Abstraktion, der allerdings den letzten, entscheidenden Schritt hinausgezögert hat, ging von Farbkontrasten aus, von Gegensätzen wie Hell und Dunkel oder Kalt und Warm, die – vergleichbar mit dem musikalischen Kontrapunkt – erst im "Zurückführen auf die Einheit" Harmonie ergaben. Ittens Überlegungen kreisten um den Farbklang, Gleichgewicht und Symmetrie waren dabei die herausgehobenen Merkmale. Albers dagegen untersuchte die Wechselbeziehung von Farben, bei ihm stand die Wirkung der Farbe im Mittelpunkt.

Verständlich, daß Albers, der darauf, aufmerksam machte, daß eine Farbe dem Betrachter anders erscheine, als sie wirklich sei, also explizit Fragen der Wahrnehmung stellte, mit seiner Farblehre die Diskussion in den letzten Jahrzehnten stark beeinflußte – Albert Forschungen waren grundlegend für die Op-art und die Farbfeldmalerei. Er hätte um 1950 mit der umfangreichen Serie "Huldigung an das Quadrat" begonnen, in der er seine Gedanken über die Wechselwirkung der Farbe anschaulich machte. Nur wenig später befaßte sich ein junger, unbekannter Franzose, François Morellet (Hermanns), mit dem gleichen Problem. Er hat dies mit System betrieben, ist aber über didaktische Schautafeln nicht hinausgekommen.