"Der Artikel entstand ohne Mitwirkung der deutschen Redaktion." Mit diesem Satz distanzierte sich der Frankfurter Korrespondent des amerikanischen Wirtschafts-Wochenblattes Business Week von einem Beitrag, der unter deutschen und international tätigen Bankiers Unruhe ausgelöst hat. Denn darin wird behauptet, so wie der Zusammenbruch der Herstattbank 1974 zur letzten großen Kreditverknappung in der Welt geführt habe, so werde in den nächsten Monaten eine andere deutsche Bank eine große Finanzkrise auslösen.

Als Gründe für die Krisenanfälligkeit deutscher Banken nennt das Blatt risikoreiche Kredite an Ostblockländer (sie sind durch Hermes-Garantien gesichert); große Engagements in Gold (sie sind seit dem 1. Februar 1980 durch den neuen Grundsatz 1 a begrenzt, wonach offene Positionen an Devisen und Gold 30 Prozent der haftenden Eigenmittel nicht überschreiten dürfen) das große Rad, das deutsche Banken auf dem Devisenmarkt drehen (auch hier gilt Grundsatz 1 a); das nicht rechtzeitige Erkennen der Dollarerholung und Kursverluste bei festverzinslichen Wertpapieren.

Niemand bestreitet im Kreditgewerbe, daß 1979 ein schlechtes Bankenjahr war; auch das erste Quartal 1980 war noch nicht besser. Was die Bankwelt so beunruhigt, ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung: Wegen der Irankrise sei die Unsicherheit ohnehin groß. In solchen Zeiten könnten auch Gerüchte Unheil anrichten.

Was also kann das Motiv des New Yorker Blattes gewesen sein? "Mir sieht das ein bißchen nach Entlastungsangriff aus", sagte Inge Lore Bähre, die Präsidentin des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen. Auf ihrem Tisch liegen die ersten Meldungen über den Grundsatz 1 a. "Alle halten ihn ein", ergänzt sie und wundert sich, daß die New Yorker Redaktion ausgerechnet deutsche Banken ins Visier genommen hat. Kein anderes Land habe so rasch auf den Fall Herstatt reagiert wie die Bundesrepublik, unter anderem mit dem Grundsatz 1 a.

Damals wurde auch die Liquiditäts- und Konsortialbank (Liko-Bank) gegründet, die jedes in Schwierigkeiten kommende Kreditinstitut auffangen müßte. F. W. Christians, der Vorsitzende des Kreditausschusses der Liko-Bank: "Es liegt kein Antrag vor, ja ich bin überhaupt nicht adressiert worden." Wenn irgendwo eine Liquiditätslücke entstünde, müßte der Kreditausschuß rasch zusammengerufen werden. Und Harald Kühnen, der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, urteilt über den amerikanischen Magazinbeitrag: "Für derartige Verdächtigungen gibt es keine Veranlassung. Es gibt keinen akuten Fall."

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